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Die Plage nach der Flut

emi Neu Darchau. Das Hochwasser ist überstanden, die Sonne scheint und die Gäste im Biergarten des Göpelhauses in Neu Darchau lassen sich Kaffee und Kuchen schmecken. Ein idyllisches Bild, doch der Schein trügt. Mücken machen dem Restaurantinhaber, Danilo Liebold, und seinen Kollegen zurzeit das Leben schwer und das Bedienen zur Qual. „In diesem Jahr ist es noch schlimmer als sonst“, klagt der 29-Jährige. „Das ist eine richtige Plage.“ Und die wird sogar noch zunehmen, fürchtet er: „Zurzeit fließt das Wasser, aber wenn es noch weiter sinkt, haben wir Pfützen und Tümpel auf der Wiese und die sind eine ideale Brutstätte.“

Eine Einschätzung, die Dr. Andreas Krüger, Insektenkundler der Bundeswehr am Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg, bestätigt: „Durch die Feuchtigkeit zusammen mit den sommerlichen Temperaturen haben Mücken gute Voraussetzungen – besonders dort, wo nach dem Hochwasser größere Tümpel stehen bleiben.“

Sogenannte Überschwemmungsmücken könnten im Eistadium in den trockenen Senken entlang der Flüsse mehrere Jahre überdauern. „Die warten nur darauf, bis es wieder Hochwasser gibt, die lieben das“, sagt der Insektenkundler. „Diese Mücken sind auf Menschenblut aus – und zwar auch tagsüber.“

Davon hat sich Danilo Liebold bereits am eigenen Leibe überzeugen können. Zwar schützt er sich nicht, denn er habe „keine großartigen Probleme“ mit den Stichen der Blutsauger, aber das ewige Summen und Sirren im Ohr geht ihm gewaltig auf die Nerven: „Vor allem ab dem Nachmittag und gegen Abend nimmt das zu.“

Die störenden Geräusche und das Jucken wird der Inhaber des Göpelhauses wohl noch eine ganze Weile ertragen müssen. Insekten-Experte Krüger kündigt an: „Das geht jetzt erst los, mindestens einen Monat müssen wir das aushalten.“

Und er hat noch mehr schlechte Nachrichten: „Wenn viele Mücken gleichzeitig unterwegs sind, vergrößern sie ihren Flugradius und breiten sich weiter aus“ – und dann fliegen sie auch in die Städte. Lüneburg müsse allerdings nicht mit einer Invasion rechnen, dafür sei die Hansestadt zu weit weg. „Aber wenn es lange feucht ist, kommen noch die gewöhnlichen Mücken hinzu.“

Da hilft dann wohl nur tapfer zu bleiben und Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Um zu verhindern, dass die lästigen Blutsauger zustechen, empfiehlt der Insektenkundler lange Kleidung und Mückenschutzmittel zum Reiben oder Sprühen. Im Zweifelsfall sollte man sich in der Apotheke beraten lassen. „Und ansonsten hilft das Moskitonetz überm Bett“, so der Experte vom Bernhard-Nocht-Institut.