Dienstag , 27. September 2016
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Blaue Blitzer warnen das Wild

off Bleckede. Die erste Generation war weiß, die zweite rot, die dritte blau-weiß – doch den erhofften Erfolg brachte bisher keiner der Reflektoren. Jetzt breitet sich mit den blauen Wildwarnern im Landkreis Lüneburg eine neue Farbvariante immer weiter aus, „rund 2500 der halbkreisförmigen Reflektoren haben wir inzwischen an Leitplanken im Kreisgebiet befestigt“, sagt Torsten Broder, Vorsitzender der Jägerschaft Lüneburg. Ob die Farbe blau tatsächlich den gewünschten Effekt erzielt und das Wild dauerhaft abschreckt, ermitteln Jägerschaft, Landkreis und Polizei auf der Landesstraße 221 zwischen Nutzfelder Kreisel und Bleckede. Teststrecke für insgesamt drei Jahre.

„Wir haben an den Leitpfosten entlang der L 221 mehr als 400 der blauen Reflektoren angebracht“, erklärt Broder. Die Hoffnung von Jägern und Behörden: „Die stillen Helfer tragen dazu bei, dass die Zahl der Wildunfälle sinkt.“ Angebracht sind die rund 15 Zentimeter hohen, halbrunden und mit blauer Reflektorfolie beklebten Plastikstücke an der Rückseite der Leitplanken. „Trifft das Scheinwerferlicht darauf, wird das Licht quasi im rechten Winkel reflektiert“, sagt Broder. Lichtblitze entstehen, die das Wild zum Ausweichen bringen – und einen potenziellen Zusammenprall mit dem Fahrzeug verhindern sollen.

Entwickelt wurde die blaue Reflektorfolie auf Grundlage neuester Erkenntnisse zum Farbsehen von Wildtieren. So weiß man heute, dass Wild nur grüne und blaue Farbtöne sehen kann, Rot und Orange nicht als Signalfarbe, sondern als Grünabstufung wahrnimmt. Blau hingegen ist für Rehe eine regelrechte Schreckfarbe, wird als fremd und pozentiell gefährlich wahrgenommen. Ein Umstand, den man sich bei der Unfallprävention mit den Reflektoren zunutze machen will – auch im Kreis Lüneburg.

Fünf Euro kostet ein Reflektor, „vier Euro davon übernehmen wir als Jägerschaft, einen Euro muss der jeweilige Revierinhaber zahlen“, sagt Broder. Seine Hoffnung: Eines Tages werden die Leitpfosten bereits so gebaut, dass sie an der Rückseite eine halbrunde Krümmung aufweisen und die Jäger nur noch die blaue Folie aufkleben müssen. Doch bis dahin muss sich die vierte Generation der Wildwarnreflektoren wohl erst beweisen – und als eine Maßnahme von vielen im Gesamtpaket Wildunfallprävention tatsächlich Wirkung zeigen.

„Den größten Einfluss auf die Zahl der Wildunfälle hat aber nach wie vor der Mensch“, sagt Broder. Denn mit seinem Verhalten kann er viel tun, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Der wichtigste Tipp: Langsam fahren. Bei einem mehr als 70 Stundenkilometern schnellen Fahrzeug können die Wildtiere nicht mehr reagieren.