Donnerstag , 29. September 2016
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Jeder Dritte will mehr Kameras

jwi Lüneburg. Er gilt als Straftat der geringeren Art, so alltäglich, dass er im Polizeibericht schon längst nicht mehr auftaucht. Und dennoch ist er ein ständiges Ärgernis: Für die Betroffenen sowieso, weil sie den Schaden haben, aber auch für die Polizei, denn die Summe der Delikte drückt gewaltig auf die Kriminalstatistik, die geringe Zahl der erwischten Täter vermiest den Beamten jedes Jahr eine bessere Aufklärungsquote. Der Fahrraddiebstahl ist ein Dauerthema in Lüneburg.

1007 geklaute Räder notiert die Kriminalstatistik für Stadt und Landkreis allein für 2012 – ein Anstieg um 11,5 Prozent gegenüber 2011. Bei einer Studie des Internetportals geld.de war Lüneburg vor zwei Jahren sogar in den Top Ten unter 114 verglichenen Städten und damit Hochburg für Langfinger mit Vorliebe für Zweiräder.

Leidvoll erfahren müssen das immer wieder auch Studenten, denn die sind häufig mit dem Rad unterwegs. Eine Befragung von Studenten der Leuphana Unversität Lüneburg unter 532 Kommilitonen zu Fahrraddiebstählen, Vandalismus und Teileklau, die sie jetzt vorgestellt haben, ergab: Fast die Hälfte der Befragten war schon mindestens einmal Opfer.

Im Rahmen des von Ernst Roidl geleiteten Seminars „Evaluation und Qualitätsmanagement“ wollten die Wirtschaftspsychologiestudenten erfahren, wo, wann und welche Fahrräder entwendet werden. Dabei fanden sie heraus, dass 70 Prozent der Drahtesel von Studenten im Schutz der Dunkelheit, also nachts geklaut werden. Schwerpunkte liegen am Bahnhof und auf dem Hauptcampus. Das verwundert nicht, denn dort stehen auch besonders viele Räder. Ein weiteres Ergebnis der Befragung: Nach Damenfahrrädern verschwanden Mountainbikes am häufigsten. Die Ergebnisse seien allerdings nicht repräsentativ und lassen sich nicht in jedem Fall auf den Normalbürger Lüneburgs übertragen, räumt Studentin Nora Kiefer ein.

Dennoch: Die Zahl der tatsächlichen Straftaten in diesem Bereich dürfte sogar noch deutlich höher liegen, als es die offizielle Kriminalstatistik nahelegt, denn nur 31,3 Prozent der Studenten, denen ein Rad gestohlen oder deren Vehikel demoliert wurde, meldete das auch der Polizei. Hauptgründe: Die meisten sahen den Schaden als zu gering an und machten sich zudem wenig Hoffnungen, ihr Fahrrad je wiederzusehen. Dafür spricht, dass laut der Befragung fast 90 Prozent der Fahrräder, die den Studenten gestohlen wurden, nach der Tat auch nicht wieder aufgetaucht seien. Andere scheuten den Zeitaufwand, der mit einer Anzeige bei der Polizei verbunden sei. Den Schaden, den Fahrraddiebe allein im Lüneburger Stadtgebiet anrichten, beziffern die Studenten auf rund 100 000 Euro pro Jahr.

Polizist Andreas Petsch hat die Umfrage der Studenten begleitet. Überraschendes Ergebnis für ihn: Es konnte kein Zusammenhang zwischen dem Fahrradschlosstyp und der Diebstahlhäufigkeit festgestellt werden. Es sei also keineswegs eindeutig zu erkennen, dass mit als besonders sicher geltenden Schlössern angeschlossene Räder weniger oft geklaut werden.

90 Prozent der Befragten gaben dennoch an, dass sie sich vor allem mehr Möglichkeiten zum Anschließen für ihre Räder wünschen. 30 Prozent forderten gar mehr Kameraüberwachung. „Dass Studenten sowas fordern, ist für mich das überraschendste Ergebnis dieser Befragung“, sagte Polizist Petsch.