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Streit vom Zaun gebrochen

ca Lüneburg. Haben Fußgänger und Radler bald wieder einen freien Weg durchs Lüner Wäldchen? Nach einer aktuellen Entscheidung des Verwaltungsgerichts müsste ein Zaun abgebaut werden, den ein Grundstückseigentümer vor gut zwei Jahren am Lüner Weg in Höhe des Kindergartens gesetzt hatte. Doch der Landkreis und der betroffene Anlieger prüfen noch, ob sie gegen das Urteil angehen. Das hat zumindest aufschiebende Wirkung — der Zaun darf also voerst bleiben.

Im Stadtteil Lüne-Moorfeld hatte sich der Grundstücksbesitzer mit seinem Zaunbau nicht gerade beliebt gemacht. Seit Jahrzehnten konnte man den Pfad nutzen, der vom Lüner Weg am Klosterteich entlang zur Erbstorfer Landstraße führt. Im Frühjahr 2011 ließ der Unternehmer, dem das Land am Teich gehört, den Zaun ziehen. Passanten mussten nun rund 40 Meter weiter laufen, um dann am Denkmal, das an im 1. Weltkrieg Gefallene erinnert, vorbei wieder auf den freien Rest des Weges zu gelangen. Es gab Protest, auch bei der LZ meldeten sich Leser, die sich mit der neuen Grenze nicht abfinden mochten. Die Stadt erklärte damals: Das Land sei in Privatbesitz, da könne sie nichts tun.

Das ließ ein Anwohner aus dem Moorfeld nicht auf sich beruhen, er zog vor das Verwaltungsgericht. In einem Verfahren gegen die Stadt scheiterte er, weil er kein Nachbar sei, fehle die direkte Betroffenheit. Doch sein findiger Anwalt Hans-Christian Schimmelpfennig setzte den Hebel an einer anderen Stelle an, diesmal war der Landkreis als Untere Waldbehörde Gegner. Zusammengefasst geht die Argumentation so: Das Lüner Wäldchen sei als Wald zu betrachten, nachdem der aktuelle Besitzer es zehn Jahre lang geduldet habe, dass der Weg genutzt wurde, könne er ihn nicht beliebig sperren. Er hindere Menschen daran, die freie Landschaft und ein Naherholungsgebiet zu betreten.

Der Einzelrichter entschied im Sinne des Klägers. Dadurch, dass der Eigentümer sein gesamtes Gelände von mehreren Hundert Quadratmetern eingezäunt habe, sei der Weg versperrt, zudem sei der zuvor mögliche Zugang zum Denkmal eingeschränkt und der Blick auf den Klosterteich erschwert. Und nicht nur das: Da der Zaun ,,öffentlichkeitswirksam“ errichtet worden sei, könnten andere Waldbesitzer zu Nachahmern werden. Das sei aber nicht im Sinne des Gesetzes. Auch ein Hinweis in Richtung Stadt ist im Urteil zu finden — der Zaun sei ,,ganz offensichtlich baurechtswidrig“.

Die Stadt sieht sich hingegen nicht in der Pflicht. Sie habe das erste Verfahren gewonnen. Der Landkreis will prüfen, ob er gegen das Urteil angeht und in die nächste Instanz zieht. So lange bleibe der Zaun stehen. Auch der Eigentümer des eingegrenzten Fleckens will nicht einfach weichen: ,,Unser Anwalt hat im Urteil Punkte gefunden, wo wir einhaken können.“ Der Streit um den Zaun dürfte also weitergehen.