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Nur nicht alles so wie vorher

ahe Lüneburg. Aktuell ist der Stein des Anstoßes in Berlin. Dort wird er von Spezialisten aufgehübscht. Nur der zurückgebliebene Sockel erinnert in diesen Tagen an das umstrittene Dragoner-Denkmal im Clamartpark. Reiter und Pferd werden frühestens Ende August zurückkehren. Doch beide einfach wieder auf den Sockel stellen und alles bleibt wie zuvor — das reicht einigen Lüneburgern nicht. Die Initiative ,,dragoner-denk-mal-nach“ regt eine öffentliche Diskussion darüber an, wo das Denkmal künftig stehen und wie es aussehen soll.

Siegfried Berneis gehört zu der Initiative. ,,Wir haben schon 371 Unterschriften gesammelt. Die Unterzeichner setzen sich für ein Moratorium ein. Bedeutet: Stopp der Restaurierung und Beginn der Suche nach einem Kompromiss in der Frage des Standortes und der Gestaltung. ,,Die Unterschriften sollen demnächst an den Kulturausschuss der Stadt übergeben werden“, kündigt Berneis an. Er sei guter Hoffnung, dass trotz der beschlossenen und begonnenen Restaurierung noch Chancen bestünden, das Denkmal an anderer Stelle und in anderer Form aufzustellen. Denn einfach aus dem Verkehr ziehen und einmotten will die Initiative den Dragoner keineswegs. ,,Wir wollen einen offenen Dialog“, sagt Berneis und verhehlt nicht den Wunsch der rund ein Dutzend Mitstreiter starken Initiative: Aus dem ,,Kriegerdenkmal“ soll ein ,,Mahnmal für den Frieden“ werden.

Dass der Reiter vielen Lüneburger nicht egal sei, zeige die öffentlich geführte Diskussion, die Anfang 2012 durch einen Artikel in der LZ entfacht wurde und seither andauert. Peter Asmussen ist sicher: ,,Jeder Lüneburger kennt das Denkmal, aber nur wenige wissen um seine Geschichte.“ Er hat in Archiven geforscht und unter anderem herausgefunden, dass zunächst 1922 ein Denkmal am Schifferwall für das Dragoner-Regiment Nr. 16 aufgestellt wurde und es Ende der 30er-Jahre durch das heute bekannte Denkmal am neuen Standort ersetzt wurde, weil das vorherige der NS-Führung zu kraftlos und zu wenig ,,heldisch“ war.

Nicht einverstanden wäre die Initiative damit, wenn sich der Verein der Freunde und Förderer der Dragoner durch seinen Beitrag in Höhe von 15000 Euro für die Restaurierung ,,das Recht erkauft“ hätte, den weiteren Umgang mit dem Denkmal zu bestimmen. Alter Standort und eine erklärende Tafel daneben — das würde Asmussen und Berneis nicht reichen. Vorschläge einer künftigen Gestaltung gebe es aber schon, zum Beispiel ein vom Sockel gefallener Reiter. Asmussen wünscht sich, dass über diesen und auch andere Vorschläge öffentlich diskutiert wird: ,,Vielleicht im September in der Volkshochschule. Drüber reden kostet doch nichts.“

Die Unterschriften sollen helfen, eine solche Diskussion zu ermöglichen. Ulrich Völker (Grüne), Vorsitzender des Kulturausschusses, kündigt an: ,,Ich werde mich der Übergabe sicher nicht verwehren. Mich beschleicht bei dem Denkmal schonein gewisses Unbehagen.“