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Mit Malen die Seele entlasten

as Lüneburg. Heide Chandhar kommt aus einer Künstlerfamilie, sie hat in ihrer Freizeit immer gerne gemalt. Da lag es für die Lüneburgerin nahe, an der Gestaltungsgruppe teilzunehmen, die das „Stövchen“ anbietet. Dort geht es auch ums Malen und einen Schritt mehr. „Durch die Gestaltungsgruppe hat sich vieles gelöst, was sich schon länger in Körper und Seele bei mir manifestiert hatte“, umschreibt sie. Vieles, was durch Krisen im Leben überdeckt worden sei, könne man über das Malen wieder hervorholen, Ressourcen entdecken, sie aufbauen und das Selbstwertgefühl stärken.

Das Stövchen an der Heiligengeiststraße ist eine Begegnungsstätte für Menschen mit persönlichen Krisenerfahrungen und unterschiedlichen Krankheitsverläufen unter dem Dach des Diakonieverbandes. Es wird von Marlene Stierl geleitet und bietet zahlreiche Angebote wie Kochen, Singen, Malen oder Musikmachen. Der Besuch von Theater und Kino wird ermöglicht, für Frauen gibt es speziell eine Gruppe wie auch ein Frühstückstreffen. Die Gestaltungsgruppe wurde von Viktoria Lackmann initiiert, sie ist Ergotherapeutin in der Psychiatrischen Klinik Lüneburg und hat eine sozialtherapeutische Zusatzausbildung gemacht. Im Rahmen eines Praktikums im Stövchen rief sie das Projekt ins Leben, „als Schritt von der stationären in die ambulante Begleitung“.

Immer donnerstags trifft sich die Gruppe. „Ich schlage dann ein Thema vor wie ,was tut mir gut‘ oder ,mein sicherer Ort‘. Die Teilnehmer setzen sich damit auseinander, indem sie dazu malen“, skizziert Viktoria Lackmann. Am Ende kann jeder, der mag, etwas zu seinem Bild sagen. Was ihn bewegt hat, was über das Thema vielleicht wieder zu Tage tritt, wie die Empfindungen dazu sind. Bei manchem lösen sich Knoten, die unter einstigen Krisen ruhten.

Für andere Teilnehmer zählt aber auch das Miteinander im Kreativen. Björn-Stefan Schmiederer (34) beispielsweise berichtet offen, dass er sich im Zuge seiner psychischen Erkrankung immer mehr abgekapselt habe. „Durch die Gestaltungsgruppe bin ich wieder in der Gesellschaft angekommen.“ Für ihn ist das Miteinander wichtig, der vertrauliche Austausch – das schaffe Vertrauen in andere und in sich selbst. Ein Fundament, um über den kreativen Prozess sich auch mit dem auseinanderzusetzen, was auf der Seele schwer lastet. Schmiederer räumt aber auch ein: „Es gibt Themen, auf die ich mich nicht einlassen kann, weil sie mich so sehr bewegen.“

Freude am Malen und Gemeinschaft benennt eine weitere Teilnehmerin ihre Motivation, an der Gestaltungsgruppe teilzunehmen. Aber sie sieht auch einen weiteren Grund, warum das Stövchen eine wichtige Anlaufstelle ist. Denn nach der stationären Behandlung sei es oft schwierig, eine psychotherapeutische Behandlung zu bekommen. „Hier gibt es viele Angebote, und ich fühle mich geborgen.“

Längst sind es nicht mehr nur Menschen, die psychische Krisen hinter sich haben, die Angebote der Einrichtung nutzen, berichtet Marlene Stierl. „Wir möchten Menschen miteinander verknüpfen, das Stövchen ist ein offener Ort.“ Die Gestaltungsgruppe finanziert die Diakoniestiftung wie manches andere in der Einrichtung. „Wir freuen uns aber über jede zweckgebundene Spende.“

Weitere Informationen zum Stövchen unter www.viaduk.de im Internet.