Mittwoch , 28. September 2016
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„Wir können nicht meckern“

wko Lüneburg. Olaf Kahle hat sich viel vorgenommen. Auf seiner Sommerreise will der Präsident der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg viele Unternehmen im ganzen Kammerbezirk besuchen. Station machte er nun auch beim Schiffshebewerk Scharnebeck – und war nicht nur von der Technik fasziniert. Das Schiffshebewerk hat in der strittigen Frage des Ausbaus einen gewichtigen Befürworter mehr, wie Kahle im Gespräch mit der LZ beteuert.

Der Konjunkturklimaindex ist gestiegen, die Unternehmen im Kammerbezirk beurteilen ihre Geschäftslage deutlich besser als noch im ersten Quartal und wollen wieder stärker investieren. Welche Risiken bleiben für die konjunkturelle Entwicklung?

Olaf Kahle: Die derzeitige Situation haben wir ein Stück weit erwartet. Die Konjunktur hat sich gut erholt, 86 Prozent der Unternehmen erwarten, dass das so bleibt oder sich sogar verbessert. Ein Risiko besteht aber immer, dass diese Erholung zu schnell wieder abflaut – vor allem in Hinblick auf die Euro-Schuldenkrise. Allerdings sind wir in unserem Kammerbezirk wirtschaftlich sehr breit aufgestellt. Natürlich haben wir große Unternehmen wie Volkswagen, sind aber dennoch stark mittelständisch geprägt. Und diese mittelständischen Unternehmen gehen anders vor, planen und denken nicht in Konjunkturzyklen. Und sind auch deshalb etwas optimistischer.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in einer Studie einen gewaltigen Investitionsstau in Deutschland ausgemacht, spricht von einer Lücke von bis zu 80 Milliarden Euro pro Jahr. Birgt das gute Chancen für die Unternehmen?

Kahle: Der Investitionsstau bei Straßen, Schienen und Kanälen muss zuerst einmal kritisch gesehen werden, weil er wirtschaftliche Entwicklung behindert. Deshalb muss künftig mehr investiert werden. Das ist eine Riesenchance für viele Unternehmen. Aber auch die Wirtschaft muss weiter investieren. Leider zeigen sich dabei oftmals Probleme bei der Finanzierung. Die Banken geben nicht mehr so leicht Kredite wie früher.

Die öffentliche Hand hat weniger Finanzierungsprobleme. Wie stehen Sie zur Erweiterung des Schiffshebewerks in Scharnebeck?

Kahle: Wir halten den Ausbau des Schiffshebewerkes für zwingend notwendig. Ich habe das Hebewerk gerade besichtigt und bin fasziniert von der Technik – und der Tatsache, dass wir mit dem Schiffsverkehr einen Logistikweg haben, der noch lange nicht ausgeschöpft ist. Hier muss investiert werden, denn alle Güter, die per Schiff transportiert werden, haben wir nicht auf den ohnehin überlasteten Straßen.

Wie klappt denn die Zusammenarbeit mit der neuen niedersächsischen Landesregierung?

Kahle: Die Zusammenarbeit funktioniert völlig unkompliziert und frei von irgendwelchen Ideologien oder Berührungsängsten. Wir von der IHK können momentan nicht meckern.

Was steht für Sie ganz oben auf der Wunschliste an die neue Bundesregierung – egal, welche Farbe sie hat?

Kahle: Zwei Themen stehen ganz oben: Wir müssen das Thema Energie endlich so angehen, dass die Wirtschaft weiß, wo es langgeht und mit welchen Mitteln die Versorgung mit kostengünstiger Energie sichergestellt werden kann. Das zweite Thema ist die Infrastruktur. Natürlich hat die Autobahn 39 für unseren Wirtschaftsraum zwischen Lüneburg und Wolfsburg eine große Bedeutung, aber mir ist es wichtig, dass auch andere Projekte wie zum Beispiel Straßen- und Brückensanierungen, die schon viel zu lange aufgeschoben wurden, endlich angegangen werden. Und wir müssen dafür sorgen, dass die finanziellen Mittel, die ja vorhanden sind, vermehrt in den Norden und nicht in den Süden Deutschlands fließen.