Mittwoch , 28. September 2016
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Traumjob verzweifelt gesucht

lkö Lüneburg. Tatjana Lipkowski gehört zur „IMK-Generation“: Irgendwas mit Kindern, das ist ihr Berufswunsch. Sie ist an diesem Mittwoch wie viele andere Suchende zur Last-Minute-Aktion für Ausbildungsplätze in die Agentur für Arbeit gekommen. Anfang August oder September beginnt für viele, die ihre Schule beendet haben, die Ausbildung – sofern sie denn eine Lehrstelle haben. Für alle, die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, bieten Arbeitsagentur und Jobcenter an diesem Tag Beratungsgespräche ohne vorherige Terminabsprache an.

Tatjana hat keinen speziellen Berufswunsch. Ob Erzieherin, Sozialassistentin, Kinderpflegerin – sie sei flexibel, was die Auswahl angeht. „Hauptsache mit Kindern“, sagt die 23-Jährige und lacht. Sie habe bereits Erfahrungen beim Babysitten sammeln können und auch keine Hemmungen, Kinder zu wickeln. „Ich kann auch sehr gut vorlesen und Geschichten erzählen“, wirbt sie für sich.

Die Berufswahl sei zwar frei, aber Flexibilität und auch Alternativen durchzudenken, das sei sehr wichtig, meint Inge Schlote, Leiterin der Berufsberatung der Arbeitsagentur. Im Moment gebe es in Lüneburg 384 freie Stellen, gemeldet seien 589 Suchende, jeden Tag kommen neue dazu. „Es sind eigentlich genügend Plätze da, aber die Bewerber verteilen sich nicht gleichmäßig auf die Stellen“, erzählt Schlote. So sei zum Beispiel die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker sehr beliebt, dagegen gebe es noch mehrere freie Stellen als Bäckereifachverkäufer.

Enya kümmert sich zu Hause um Pferde, Hunde und Katzen. Da liegt ihr Berufswunsch auf der Hand: Tiermedizinische Fachangestellte. „Tiere lieben Enya einfach, die fühlen sich wohl in ihrer Gegenwart“, sagt Vater Helmut Gehrdau. Zusammen mit ihm und ihrer Schwester ist die 16-Jährige zu einem Beratungsgespräch gekommen. Marlies Freese-Ostermann ist Berufsberaterin, sie schaut sich Enyas Zeugnis und ihre Bewerbungen genau an. „Das sieht alles schon sehr gut aus, ein paar Feinheiten könntest du ändern, zum Beispiel ein Deckblatt anlegen“, schlägt sie vor. Enya hat schon viele Praktika gemacht und auch Bewerbungen abgeschickt. Bis jetzt habe es nicht geklappt. „Ich sei zu schüchtern oder zu jung, war meistens die Begründung“, erzählt die Tierliebhaberin.

Ein gutes Bewerbungsgespräch kann Türen öffnen, wenn man denn einen guten Eindruck hinterlässt. Expertin Inge Schlote rät: „Wichtig ist, motiviert und gepflegt zu erscheinen, sich vorher über den Betrieb zu infomieren und sich Gedanken über seine eigenen Stärken zu machen.“ Auf die gefährliche Frage nach Schwächen solle man zwar ehrlich antworten, aber am besten mit einer Schwäche, die man in etwas Positives kehren kann. Ungeduld zum Beispiel kann auch bedeuten, dass man sehr motiviert ist.“

Am Ende des Tages ist Jeannette Unterberger, zuständig für die Pressearbeit der Agentur für Arbeit, zufrieden: „97 Jugendliche waren hier. Unsere Berater konnten 178 Vermittlungsvorschläge machen.“

Auf der LZ-Facebook-Seite ist ein kleines Video zu der Last-Minute-Aktion zu sehen.