Dienstag , 27. September 2016
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Kampf um doppelte Staatsbürgerschaft

kre Lüneburg. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich: „Niemand darf wegen seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“ So steht es in Artikel 3 des Deutschen Grundgesetzes. Mageda Danial hat da ihre Zweifel. Die 53-jährige Lüneburgerin wurde in Nazareth geboren, ist Palästinenserin christlichen Glaubens mit israelischem Pass. Seit 2002 lebt sie in Deutschland – und hat jetzt bei der Stadt Lüneburg den Antrag auf doppelte Staatsbürgerschaft gestellt. Den deutschen Pass würde die 53-Jährige auch bekommen. Doch dazu müsste sie ihre israelische Staatsangehörigkeit aufgeben. Das möchte die 53-Jährige aber nicht. Sie zog vor das Verwaltungsgericht – und verlor. Doch gegen das Urteil wollen Mageda Danial und ihr Ehemann Atef Nijim in Berufung gehen.

„Warum gelten für mich andere Bedingungen als für israelische Staatsbürger jüdischen Glaubens?“, wundert sich Mageda Danial, während ihr Mann Atef Nijim während eines Gesprächs mit der LZ Statistiken aus der Tasche zieht: „Schauen Sie“, sagt er, deutet mit seinem Zeigefinger auf die Zahlenkolonnen und liest vor: „Im Jahr 2010 wurden 1649 Männer und Frauen aus Israel in Deutschland eingebürgert, 1563 von ihnen mit doppelter Staatsbürgerschaft.“ Atef Nijim versteht nicht, dass seine Frau zu den 5,2 Prozent gehören soll, für die die doppelte Staatsbürgerschaft nicht gelten soll.

Der 65-jährige Schlossermeister – ebenfalls in Nazareth geboren – ist schon seit 1970 in Deutschland und seit 1988 deutscher Staatsbürger. Er hatte damals den Antrag auf Entlassung aus der israelischen Staatsbürgerschaft gestellt, seinen israelischen Pass und seine israelische Staatsbürgerschaftsurkunde zurückgegeben.

Doch den Weg, für den sich ihr Mann entschieden hat, will Mageda Danial nicht gehen: „Meine Verwandten leben in Israel“, sagt die 53-Jährige. „Wenn ich den israelischen Pass abgebe, kann ich nur noch mit einem Touristenvisum und dann auch nur noch zeitlich begrenzt in mein Heimatland einreisen.“ Eine Vorstellung, die Mageda Danial Angst macht. Und sie wundert sich, warum in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern offenbar sehr fein unerschieden wird, ob jemand aus Israel jüdischen Glaubens ist oder eben nicht: „Meine Schwester lebt in den USA, mein Bruder in Kanada“, berichtet sie und fügt hinzu: „Beide haben die doppelte Staatsbürgerschaft.“

Für die 53-Jährige ist die Beibehaltung der doppelten Staatsbürgerschaft auch deshalb wichtig, „weil ich sonst meine in Israel erworbenen Rentenansprüche verlieren werde“, gibt sie zu bedenken – rund 450 Euro im Monat. Das aber bezweifelte das Verwaltungsgericht Lüneburg in seinem Urteil. Auch eine Diskriminierung der Ausländerbehörde der Stadt Lüneburg gegenüber der Klägerin konnten die Richter nicht erkennen. Entmutigen lässt sich Mageda Danial davon nicht. Sie will weiterkämpfen.