Mittwoch , 28. September 2016
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Der „Trollo“ kam der Szene gerade recht

rast Lüneburg. „Larry ist der Trollo, den man in der Szene gesucht hat – der ist ja ehrlich.“ Und ein Trollo lasse sich auch übers Ohr hauen. So skizzierte Verteidiger Kurt-Peter Bulang die Ausgangssituation für eine „Ausnahmegeschichte“ im Drogenmilieu, denn mit dem bisschen Gewinn, das der „gutmütige“ Angeklagte (28) machte, konnte er nicht mal seinen Eigenbedarf an Marihuana finanzieren. Selbst wenn er sich eine Waage zum Wiegen der Drogen auslieh, zahlte er dafür „eine Gebühr“. So hielt Bulang denn auch ein Ausnahmeplädoyer, forderte für die Drogendelikte in einem „minderminderschweren Fall“ eine Bewährungsstrafe von deutlich unter zwei Jahren.

Eine solche juristische Wertung sieht das Gesetz natürlich nicht vor, die 2. Große Strafkammer am Landgericht verurteilte den gebürtigen Lüneburger wegen unerlaubten Erwerbs und der Abgabe von Drogen sowie der Abgabe von Drogen an einen Minderjährigen in acht Fällen zu einem Jahr und sechs Monaten, setzte die Strafe zur Bewährung aus. Dabei ging die Kammer von einem juristisch korrekt definierten minderschweren Fall aus. Zudem muss der 28-Jährige 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit ableisten.

Der Vorsitzende Richter Matthias Steuernagel schilderte die Geschichte so: Der in Bergen im Kreis Celle lebende Angeklagte hatte eine Strafe – unter anderem wegen Drogendelikte – abgesessen und bekam einen Betreuer zur Seite gestellt, damit der Arbeitslose seine Finanzprobleme in den Griff bekommt. Die Privatinsolvenz wurde eingeleitet, da er dabei Schulden abstottern muss, blieben dem Mann, der von Vater Staat monatlich 375 Euro erhielt, 220 Euro zum Leben, also 55 Euro pro Woche. Hin und wieder griffen ihm seine Eltern unter die Arme. Da er aber schnell wieder zum Hasch griff, reichte das Geld nicht. Bei einem Fest traf er einen Polen, der ihn fragte, ob er für ihn Cannabis verkaufen könne.

Schnell war der 28-Jährige in der Bergener Drogenszene unter dem Spitznamen Larry bekannt, die Kunden standen vor seiner Tür Schlange. Einer der Abnehmer war ein 17-Jähriger. Der Vorwurf der Cannabis-Abgabe an Minderjährige wiegt zwar schwer, hier hielt das Gericht Larry laut Steuernagel aber zugute, dass der Abnehmer „kein jungfräuliches Kerlchen war, das zum Konsum verführt wurde“, sondern strafrechtlich schon vielfach in Erscheinung getreten war, der Polizei als „Cannabis-Kid“ bestens bekannt ist. Das und der Umstand, dass Larry reinen Tisch machte, seinen Dealer auffliegen ließ und auch seine Kunden preisgab, brachten ihm Pluspunkte. Zudem gibt’s eine gute Sozialprognose: Laut einem Polizisten, der die Drogenszene in Bergen bestens kennt, spielt Larry dort keine Rolle mehr. Und ein Attest belegt, dass er clean ist.

Positiv sah das Gericht auch, dass sich der 28-Jährige um einen Job bemüht, eventuell beim Geflügelschlachthof in Wietze anfangen kann. Arbeitet er dort in Vollzeit, wird die Auflage von 200 Stunden sozialer Arbeit ausgesetzt. Allerdings wird sich ein Bewährungshelfer drei Jahre um den Mann kümmern und auch dessen Drogenfreiheit überprüfen – wird er rückfällig, geht’s ins Gefängnis.