Donnerstag , 29. September 2016
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Kaum Strahlung in Lebensmitteln

rg Gorleben. Als in den 1990er-Jahren die ersten Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll nach Gorleben rollten, hatten viele Landwirte in Lüchow-Dannenberg Angst. Angst um ihre Existenz. Wer würde noch ihre Produkte kaufen? Jetzt, da in der Nachbarschaft Atommüll lagert. Die Ängste, dass der Absatz einbricht, waren größtenteils unbegründet, doch die Skepsis blieb: Sind die Produkte wirklich nicht verseucht? Nun liegen erstmals Zahlen vor, die belegen: Die in der Region erzeugten Lebensmittel sind durch den zwischengelagerten Atommüll nicht zusätzlich radioaktiv belastet. Das ergab eine Umgebungsüberwachung, die 2012 auf Initiative des Bauernverbandes Nordostniedersachsen (BVNON) durchgeführt wurde.

Vor einem Jahr hatte der BVNON die Untersuchung der Gorleben-Einflüsse auf die Landwirtschaft bei der LUFA (Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt) und der Landwirtschaftskammer, Bezirksstelle Uelzen, in Auftrag gegeben. Herausgekommen ist ein 40-seitiger Bericht mit der abschließenden Erkenntnis: „Ein Aktivitätsbeitrag der Anlagen des GNS-Werkes Gorleben ist nicht erkennbar beziehungsweise nachweisbar.“

Ein Ergebnis, das man genau so erwartet habe, erklärt bei der Vorstellung der Ergebnisse Hartmut Schulze, Leiter der Abteilung Strahlenschutz bei der Zwischenlager-Betreiberin GNS (GNS Gesellschaft für Nuklear-Service mbH) in Gorleben. Schließlich würden in Gorleben im Transportbehälter-Lager und im Fasslager keine strahlenden Stoffe freigesetzt. Von den im Zwischenlager Gorleben eingelagerten Behältern gehe lediglich Strahlung aus, und auch die „nachweislich nur in Dosen unterhalb aller Grenzwerte“, so Schulze.

Doch das bedeutet nicht, dass bei den Untersuchungen in den Proben keinerlei strahlendes Material festgestellt worden war. In den Proben fanden sich Kalium 40, Cäsium 137 und auch Strontium 90. Mengen weit unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte, wie sie im Schnitt überall in Deutschland vorkommen. Für Strahlenschützer Hartmut Schulze steht fest: Die Werte haben nichts mit Gorleben zu tun. „Das sind – zum kleinen Teil – Überbleibsel der überirdischen Atombombenversuche in den 1950er- und 60er-Jahren.“ Der weitaus größere Teil stamme von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986.

„Dass dabei nichts gefunden wurde, beruhigt. Auch, wenn wir nichts anderes erwartet hatten“, stellte Lüchow-Dannenbergs Kreislandwirt Adolf Tebel heraus. Die stellvertretende Geschäftsführerin des BVNON, Urte Rötz, vergleicht die Untersuchungsergebnisse mit einer Vorsorgeuntersuchung beim Arzt. „Man geht hin, ohne dass einem etwas fehlt, und ist froh, wenn der Arzt bei seiner Untersuchung nichts findet.“