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Bei Nordson droht ein Arbeitskampf

jwi Lüneburg. Bei der Firma Nordson im Lüneburger Industriegebiet Hafen droht ein Arbeitskampf. Die Gewerkschaft IG Metall hat in den vergangenen Monaten mit der Geschäfts- und Personalleitung der Firma verhandelt, beim dritten und bislang letzten Termin wurden die Gespräche ohne Vereinbarung eines weiteren Termins abgebrochen. Streitpunkt ist vor allem die Wochenarbeitszeit.

Die Löhne bei dem amerikanischen Unternehmen hätten früher oft über denen des Flächentarifvertrages der Metall- und Elektroindustrie in Niedersachsen gelegen, sagt Rainer Näbsch, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Celle-Lüneburg. „In den vergangenen Jahren wurde jedoch immer weniger gezahlt, Prämien wurden abgeschafft oder gekürzt, beziehungsweise musste länger dafür gearbeitet werden. Inzwischen liegen die Löhne unter dem Tarifvertrag. Mit der neuen Mercer-Vereinbarung steigt die Arbeitszeit erneut“, beklagt er. Mercer heißt das vom Unternehmen geplante Entgeltsystem. Dieses soll weltweit an allen Standorten eingeführt werden, sieht in Deutschland eine ähnliche Bezahlung wie der Tarifvertrag der Gewerkschaft vor, aber enthält eine 40-Stunden-Woche statt der 35 Stunden, wie sie die Gewerkschaft fordert. Der Betriebsrat bezeichnet Mercer als eine Mogelpackung.

Vor mehr als einem Jahr, am 1. Mai 2012, hatte die IG Metall einen Tarifvertrag angemahnt, um Mitglieder im Unternehmen geworben und fühlt sich jetzt stark genug aufgestellt, um Druck auf Nordson auszuüben und den Tarifvertrag für die rund 300 Beschäftigten notfalls mit „Aktionen“ zu fordern.

„Die Fronten haben sich verhärtet, wir halten die Füße nicht mehr still“, sagt Näbsch. Seine Vermutung: „Es geht hier nicht ums Geld, das hat der Konzern, es ist wohl eine reine Machtfrage für das Unternehmen.“ Laut einem Informationsblatt der IG Metall hat Nordson nach der dritten Verhandlungsrunde seine eigenen Forderungen aufgestellt. So solle die Gewerkschaft die 40-Stunden-Regelarbeitszeit bedingungslos akzeptieren, genauso wie das Entgeltsystem Mercer, erst dann würde wieder verhandelt werden.

Thomas Pehl, Geschäftsführer der Nordson Engineering GmbH, die Präzisionsanlagen zum Auftragen von Klebstoffen, Dichtstoffen und Beschichtungen herstellt, will derzeit keine Fragen beantworten, sagt nur: „Wir äußern uns nicht zu den laufenden Verhandlungen, es handelt sich hierbei um eine konzerninterne Angelegenheit.“

Ob nächste Woche womöglich gestreikt wird, will Näbsch noch nicht sagen. „Wir halten uns alle Optionen offen.“