Dienstag , 27. September 2016
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Immer weniger Kunden

akm Lüneburg. Ein Plausch am Blumenstand, ein Scherz mit dem Fleischer und nicht zu vergessen die obligatorische Gratiskartoffel am Gemüsestand: „Sheila spielt so gern damit“, erklärt Siegrun Grzyl-Behrend. Und nicht nur ihr Hund liebt den wöchentlichen Besuch auf dem Kaltenmoorer Wochenmarkt. Auch die Lüneburgerin kommt jeden Freitag zum St.-Stephanus-Platz. „Dabei wohne ich gar nicht in Kaltenmoor“, betont die fröhliche Dame. Der Stadtteilmarkt sei einfach persönlicher und vor allem weniger wuselig als der Wochenmarkt in der Lüneburger Innenstadt. Und dennoch bleiben die Kunden zunehmend fern. „Ich habe Angst, dass der sich nicht mehr lange hält“, sagt Siegrun Grzyl-Behrend.

Ganz unbegründet ist die Sorge der Stammkundin nicht. Um etwa 25 Prozent seien die Besucherzahlen allein im Zuge des Umbaus vergangenes Jahr zurückgegangen, schätzt Marktbeschicker Olaf Hirsch. „Damals war der Markt schwer zu erreichen, es fehlte an Parkplätzen, das hat Kunden aus anderen Stadtteilen verschreckt“ – bis heute.

Dabei sollte die Neugestaltung des Platzes eigentlich neue Kundschaft anlocken, weiß Cord Wöhnecke, Vorsitzender der Lüneburger Marktbeschicker. Doch das Ergebnis der Millioneninvestition missfällt vielen Besuchern. Zu kahl, zu grau, zu weitläufig sei der Platz geworden, klagen sie bei den Marktverkäufern. „Wir hatten gehofft, dass die Geschäfte mit dem neuen Platz besser laufen“, sagt Blumenhändler Wöhnecke. Schon vor dem Umbau sei die Zahl der Kaufkundschaft nämlich rückläufig gewesen.

Gründe für das Wegbleiben der Kunden nennen die Marktbeschicker viele – und unterschiedliche. Die fehlende Vielfalt im angrenzenden Geschäftsblock verringere die Attraktivität des gesamten Platzes, meint Kartoffel- und Eierhändler Olaf Hirsch. Andere glauben, der dauerhafte Wegfall einiger Stände könnte Kunden vergrault haben – verbunden mit einer zu geringen Warenauswahl am Nachmittag. Denn einige Händler brechen bereits mittags zum nächsten Markt auf. Daran allein könne es nicht liegen, ist Wöhnecke überzeugt: „Schließlich bieten wir bis zum Marktschluss um 15.30 Uhr von jedem Sortiment einen Stand an.“ Er beobachte vielmehr eine stetig sinkende Kaufkraft im Stadtteil Kaltenmoor.

Entsprechend ausgeprägt sei die Abwanderung zum nahe gelegenen Discounter Lidl. Seit dessen Eröffnung 2006 habe sich das Geschäft auf dem Markt verschlechtert, sagt Elke Wilkens, Gemüsebauerin aus Bardowick: „Geblieben sind die, die Wert auf Qualität legen.“ So wie Siegrun Grzyl-Behrend. „Ich zahle gern einen Groschen mehr“, sagt die Lüneburgerin und rührt kräftig die Werbetrommel für ihren Wochenmarkt: „Hier weiß ich, wo die Ware herkommt.“ Und hier weiß jeder, wer Siegrun Grzyl-Behrend ist, wenn sie kommt. Auch ein Argument für den Bummel über den Markt.