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Dramatische Tage im Juni

bau Artlenburg. Die Elbe hat sich in ihr Bett zurückgezogen. Doch Ruhe ist nach den Hochwasser-Rekordwerten im Juni nur scheinbar eingetreten. Noch immer sind Firmen damit beschäftigt, den Normalzustand an den Deichen herzustellen. Tausende gefüllte Sandsäcke müssen abgeräumt, eingelagert oder geschreddert werden.

Und auch die Verantwortlichen vom Artlenburger Deichverband haben nach den dramatischen Tagen im Juni alle Hände voll zu tun. Sie überprüfen die Schutzwälle auf mögliche Schäden, wie etwa Löcher, die Bisam und Biber gegraben haben.

Zudem hat der Deichverband eine erste Schätzung erstellt, wie teuer die Deichverteidigung bislang war. „Die Summe liegt bei zwei Millionen Euro, ist aber nach oben noch offen“, sagt Geschäftsführer Norbert Thiemann. Alleine die Schäden an den Deichen sowie Auf- und Zufahrten beziffert der Verband bis jetzt mit rund 910 000 Euro. Der genaue Schadensüberblick werde jedoch erst nach den Herbstdeichschauen möglich sein, sagt Thiemann. Und auch der noch laufende Rückbau inklusive des Sandsackschredderns schlägt voraussichtlich mit mindestens einer halben Million Euro zu Buche.

Bilanz zieht der Deichverband aber nicht im stillen Kämmerlein. Zum ersten Mal in der 125-jährigen Geschichte hat der Vorstand beschlossen, ein Journal als Dank für die vielen Tausend Helfer herauszugeben. Die 20-seitige Dokumentation mit einer Auflage von 25 000 Exemplaren wird am Montag, 29. Juli, den Haushalten im Verbandsgebiet mit der Tagespost zugestellt. „Als einer der größten Deichverbände Niedersachsens sind wir es unseren Mitgliedern schuldig, sie umfassend über das Rekordhochwasser und dessen Folgen sowie den Hochwasserschutz an der Elbe zu informieren“, begründet Deichhauptmann Hartmut Burmester die Auflage einer eigenen Publikation.

Hunderte Fotos, unter anderem Luftaufnahmen vom Tag des höchsten Wasserstandes am 13. Juni, zeigen nicht nur die Naturgewalt der Elbe, sondern auch die unvergleichbare Solidarität mit den Menschen, die hinter den Deichen leben. Einen Einblick in das Seelenleben während der dramatischen Tage gewähren Thiemann und Burmester. Sie sagen: „Wir wären ans Limit gekommen, hätten die Prognosen gestimmt.“

Auf einer Länge von 30,5 Kilometern waren die Deiche im Verbandsgebiet um rund 30 Zentimeter mit Sandsäcken erhöht, der Schutzwall an der Schäferei im Bleckeder Heisterbusch mit 500 Kubikmeter Kleiboden, einem dreilagigen Sandsackwall, Gitterplane und Baustahlmatten erhöht worden. „Mit Erfolg, denn der Heisterbusch wurde nicht überflutet. Seither nennen wir ihn nur unsere Hallig“, sagt Thiemann.

Geschäftsführer und Deichhauptmann sind sich sicher: Ein Einsatz wie im Juni lässt sich so schnell nicht wiederholen. Deshalb fordern sie: „Unsere Deiche müssen erhöht werden.“ Da der Deichbau aber Gemeinschaftsaufgabe von Land und Bund, der Artlenburger Deichverband nur Träger von Baumaßnahmen und für die Unterhaltung der Dämme zuständig ist, werde sich eine Erhöhung auf die Schnelle kaum realisieren lassen, glauben Thiemann und Burmester. Klar ist für beide aber, dass die Elbe weiterhin mit extremen Wassermengen und -höhen auflaufen wird.