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Anträge lassen auf sich warten

ml Lüneburg. Kurz vor Einführung des Betreuungsgeldes am morgigen Donnerstag schlagen in Berlin die Wellen mal wieder hoch. Die rot-grüne Opposition nennt das umstrittene familienpolitische Instrument der schwarz-gelben Koalition einen „Ladenhüter“, CSU-Politiker werfen rot-grün geführten Bundesländern dagegen vor, das Betreuungsgeld zu torpedieren. Junge Eltern würden so um diese Familienleistung gebracht, heißt es.

Tatsächlich liegen bislang nur wenige Anträge vor – auch beim Landkreis Lüneburg. „Zehn Eltern haben bislang ihre Unterlagen abgegeben, die Anträge werden geprüft“, sagt Kreissprecherin Frauke Noweck. Das sind immerhin acht mehr als in der Landeshauptstadt Hannover. Doch im Gegensatz zum politischen Kesseltreiben in Berlin, sieht man die geringe Quote im Lüneburger Kreishaus gelassen. „Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Anträge bis Ende des Jahres deutlich steigen wird“, sagt Noweck.

Der Grund, den die Sprecherin dafür nennt, zeigt, warum die finanzielle Hilfe für Eltern, die ihre unter dreijährigen Kinder zu Hause betreuen, bisweilen schwer zu durchschauen ist. Denn anspruchsberechtigt sind nur Eltern, deren Kinder am 1. August 2012 oder später geboren sind. Das heißt: Ein Kind das 2011 geboren wurde, ist zwar noch unter drei Jahre alt, dennoch erhalten Väter und Mütter kein Betreuungsgeld in Höhe von zunächst 100, ab 1. August des kommenden Jahres 150 Euro monatlich.

Zudem wird laut Kreissprecherin Noweck in den meisten Fällen von jungen Familien auch Elterngeld beantragt – oft für die Dauer von zwölf oder sogar für 14 Monate, wenn Vater und Mutter in Elternzeit gehen. Da Eltern- und Betreuungsgeld nicht parallel ausgezahlt werden, das Elterngeld aber deutlich höher liegt, werden viele Mütter und Väter das Betreuungsgeld erst in den kommenden Wochen und Monaten beantragen – nämlich dann, wenn die zwölf oder 14 Monaten abgelaufen sind. Und die ersten Kinder, deren Eltern anspruchsberechtigt sind, werden erst am Donnerstag zwölf Monate alt.

Für die Lüneburger Kreisverwaltung ist damit klar: Erst am Jahresende lässt sich sagen, ob das Betreuungsgeld gut oder schlecht angenommen wird. Eine Erkenntnis, die Berlin bisher offenbar noch nicht erreicht hat.