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Minister fährt auf alte Gleise ab

pet Lüneburg/Hannover. Mit dem Zug planmäßig und regelmäßig von Bleckede nach Lüneburg? Oder auch von Lüneburg nach Soltau? Oder vom Bahnhaltepunkt Adendorf in wenigen Minuten nach Lüneburg? Viele träumen von der Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken und von der Wiedereinrichtung alter Bahnhöfe und Haltepunkte. Eine Initiative des niedersächsischen Wirtschafts- und Verkehrsministers Olaf Lies (SPD) könnte ihnen jetzt neuen Mut machen.

In Hannover stellte Lies das Projekt „Reaktivierungen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) – Rahmenbedingungen und Kritieren“ vor. Mindestens 58 stillgelegte Trassen sind aufgeführt. Sollten weitere Strecken vorgeschlagen werden, können die noch aufgenommen werden. In einem, so das Ministerium, „transparenten Verfahren“ wird dann eine Priorisierung erarbeitet. 20 Strecken kommen in die nächste Prüfphase, an deren Ende sechs bis acht Strecken durch einen externen Gutachter überprüft werden. Im Spätherbst 2014 soll die endgültige Entscheidung gefällt werden.

Zu den 58 vorläufig zu prüfenden Strecken zählt auch die Verbindung Lüneburg-Bleckede. Bis 1977 lief dort der Linienverkehr, Ende 2010 pachtete die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg (AVL) die Trasse von den Osthannoverschen Eisenbahnen (OHE), organisiert dort einen Ausflugsverkehr.

Die Bahnlinie zwischen Lüneburg und Soltau feierte kürzlich ihren 100. Geburtstag – auch dort wurde in den 1970er-Jahren der Personenverkehr eingestellt, auch auf dieser Trasse fahren regelmäßig Züge im Ausflugsverkehr. Weitere mögliche Trassen aus der Region: Winsen/Luhe (Süd)-Niedermarschacht, Winsen/Luhe (Süd)-Hützel und Dannenberg Ost-Uelzen.

Mit Interesse beobachtet Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) die Initiative des Verkehrsministers. Er sagt: „Wenn die Bahnstrecken Lüneburg-Bleckede und Lüneburg-Soltau reaktiviert würden, würde das zur Förderung des Tourismus, aber auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen beitragen. Ich denke da zum Beispiel an das Eisenbahnausbesserungswerk in Bleckede, das dann wieder vollständig über die Schiene zu erreichen wäre, und auch an die Anbindung des Industriegebiets Lüneburg-Süd in Embsen bis nach Soltau.“

Als Landesvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) war der Reppenstedter Hans-Christian Friedrichs bei der Vorstellung des SPNV-Konzepts in Hannover dabei. Friedrichs begrüßt die Aktivitäten, „das hätte es unter der alten Landesregierung nicht gegeben“. Eine Wiederbelebung stillgelegter Bahnstrecken findet er „absolut gut“, gerade bei der Strecke nach Bleckede, genauso aber auch für die Strecke zwischen Lüneburg und Soltau.

In dem mehrstufigen Bewertungsverfahren sollen fünf Kriterien beurteilt werden, etwa das Verkehrspotenzial, Ziele der Raumordnung und die Kosten. Ziel ist, diese Untersuchung im Laufe des kommenden Jahres abzuschließen und auf dieser Grundlage unter Berücksichtigung der Folgekosten und der verfügbaren Mittel bis Spätherbst 2014 die endgültige Entscheidung zu treffen, welche Bahnstrecken reaktiviert werden. Die Investitionskosten sollen zu 75 Prozent vom Land übernommen werden, den Rest Kreise und Kommunen vor Ort tragen.

Konkreter als die Überlegungen, ehemalige Bahntrassen wiederzubeleben, ist der Wunsch der Adendorfer, ihren 1979 stillgelegten Bahnhaltepunkt wieder in Betrieb zu nehmen. „Die Aktivitäten von Verkehrsminister Olaf Lies bedeuten für unseren Wunsch natürlich politischen Rückenwind“, erklärte gestern Bürgermeister Thomas Maack (SPD).

Die Planungen der Adendorfer sind weit gediehen, vor zwei Monaten bereits habe er dem Ministerium in Hannover ein detailliertes Konzeptpapier zukommen lassen. „Wir wollen rein in das Programm des Ministeriums“, so Maack. Alle Kriterien des Ministeriums seien erfüllt. So wird die vorhandene Strecke bereits von einer Regionalbahn (Lüneburg-Lübeck) bedient und es gebe ausreichend „Einwohnerpotenzial“.