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Lüneburger Unterschiede

ahe Lüneburg. Wer gesetzlich krankenversichert ist, muss im Durchschnitt 24 Tage länger auf einen Termin bei einem Facharzt warten als ein Privatversicherter. Und nirgendwo sonst in Niedersachsen ist der Unterschied bei der Wartezeit so groß wie in Lüneburg mit 41 Tagen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Erhebung der niedersächsischen Bundestagsabgeordneten Viola von Cramon von den Grünen und ihrer Mitarbeiter.

Das Team der Politikerin aus Göttingen hat im Juli in 340 niedersächsischen Facharztpraxen jeweils zweimal angerufen, einmal als Kassenpatient und kurz danach als Privatversicherter. Je nach Region variierten die Wartezeiten zwischen 15 und 41 Tagen, stets aber hätte der Kassenpatient viel länger auf einen Termin warten müssen. In Lüneburg gab es in den 30 angerufenen Praxen im Stadtgebiet im Durchschnitt nach 57 Tagen einen Termin für den Kassenpatienten, aber bereits nach 16 Tagen für den Privatversicherten.

Insgesamt seien 680 Anrufe bei Medizinern getätigt worden, von Hautärzten und Neurologen über Orthopäden, Internisten und Augenärzten bis hin zu Radiologen, Kardiologen und Hals-Nasen-Ohrenärzten waren acht Fachrichtungen vertreten. Während es bei etwa 30 Prozent der Arztpraxen keine oder kaum eine Rolle für die Wartezeit spielte, ob sich der Anrufer als Kassen- oder Privatpatient ausgab, gab es bei einigen Ärzten einen Unterschied von mehr als 100 Tagen. „Spitzenreiter“ der Ungleichbehandlung sei eine Hautarzt-Praxis in Lüneburg gewesen. Dem Privatversicherten sei ein Termin nach 33 Tagen angeboten worden, dem Kassenpatienten erst einer nach 190 Tagen. In elf Praxen im Land hätten Kassenpatienten schon per se keinen Termin mehr bekommen.

Gerade die angerufenen Lüneburger Hautarztpraxen seien bei der Erhebung auffällig gewesen, bilanziert die Politikerin, in allen hätte der Kassenpatient deutlich länger auf eine Behandlung warten müssen, im Schnitt nach 122 Tagen hätte es für ihn einen Termin gegeben, für den Privatpatienten bereits nach 23 Tagen.

Viola von Cramon findet: „Das ist nicht fair, dass es solche Unterschiede gibt, gerade aus Sicht von Kassenpatienten mit ernsthaften Problemen. Wenn Ärzte für einen Privatpatienten mehr als das Doppelte an Honorar bekommen, gibt es aber einen systematischen Anreiz, diesen auch zu bevorzugen.“ Für die Behandlung eines Privatpatienten bekomme ein Arzt laut der Abgeordneten im Schnitt das Zweieinhalbfache von dem, was er für dieselbe Behandlung eines gesetzlich Versicherten bekomme. Ein Rezept dagegen aus ihrer Sicht: die Bürgerversicherung für alle. „Damit gäbe es einen besseren Solidarausgleich, und der Arzt hätte keine Gründe, bestimmte Patienten zu bevorzugen.“ Bei der Höhe der Beitrags sollen nach dem Willen ihrer Partei neben dem Gehalt dann auch Einkünfte aus Vermietungen, aus Vermögensanlagen und sonstige Gewinne berücksichtigt werden.