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Rückzug im Doppelpack

ca Lüneburg. Zwei Ratsmitglieder geben ihre Mandate zurück und wollen sich wieder stärker um private Dinge kümmern. Das bestätigten gestern Martin Bruns von der SPD und Sonja Hollstein von den Grünen. Für Sonja Hollstein rückt Jule Grunau ins Kommunalparlament nach. Bislang setzt sie sich im Ortsrat Ochtmissen für die Bürger ein. Für Bruns verstärkt Ronald Bast aus Neu Hagen die Fraktion der Sozialdemokraten. Er hatte in den vergangenen Jahren bereits im Rat Politik gemacht, aber bei der jüngsten Kommunalwahl den Wiedereinzug verpasst.

Bruns, der mit einer kurzen Unterbrechung seit 2001 dem Rat angehört, sagt: „Es ist schwierig, Politik, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen.“ Die Familie mit den beiden fünf und sieben Jahre alten Kindern sei zu kurz gekommen, das wolle er nun ändern. Bruns, Sülfmeister von 2011 bis 2012, arbeitet als Lehrlingsausbilder bei der Avacon, ist daher oft auch in Nachbarlandkreisen unterwegs, was lange Fahrtzeiten bedeutet. Zudem engagiert er sich als Betriebsrat des Energieversorgers und hofft, bei den dort anstehenden Wahlen „erneut das Vertrauen der Kollegen zu gewinnen“.

Das Ehrenamt Politiker koste viel Zeit: Einmal in der Woche trifft sich die Ratsfraktion. Bruns sitzt im Bau-, Verkehrs- und Sportausschuss, was weitere Sitzungen und Vorbereitungen bedeutet. Überdies vertrete er die Interessen der Stadt im Aufsichtsrat der Gesellschaft für Abfallwirtschaft (GfA) und im Sparkassenzweckverband. „Das ist nicht alles“, sagt Bruns. Auch Parteiarbeit und der bevorstehende Bundestagswahlkampf forderten Tribut: „Die Familie kam in den vergangenen Jahren zu kurz, da möchte ich meine Schwerpunkte anders setzen.“

Auch bei Sonja Hollstein fordert die Familie mehr Zeit. Ihr Mann sei selbstständig und beruflich jetzt noch stärker beansprucht, so könne er ihr den Rücken weniger freihalten, sagt die Grünen-Politikerin und Mutter dreier Kinder im Alter von sieben, neun und elf Jahren. Sie arbeitet als Lehrerin an der Integrierten Gesamtschule in Kaltenmoor: „Auch das fordert mich sehr.“ Fraktionssitzung, Rat und Ausschussarbeit – da sei sie in manchen Wochen drei Abende unterwegs, dazu komme die Vorbereitung, um mitreden und fachlich fundiert entscheiden zu können: „Das bekomme ich zeitlich nicht mehr hin.“ Halbe Sachen wolle sie nicht, da sie sich ihren Wählern verpflichtet fühle. Drei Jahre saß sie im Rat, nun tritt sie kürzer, denn zu „Fraktionssitzungen möchte ich weiterhin gehen und meinen Rat beisteuern“. Auch soll der Abschied nicht für ewig sein: „Dafür macht mir Politik zu viel Spaß.“