Dienstag , 27. September 2016
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Sky serviert Wirten Preiserhöhung

rast Lüneburg. Ein neues Preismodell des TV-Bezahlsenders Sky stößt vielen Gastronomen sauer auf, die auf Fußball-Übertragungen setzen. Bislang war die Quadratmeterzahl der Lokale für diePreisfindung einziges Kriterium, nun fließen auch die Kaufkraft, die Bevölkerungsdichte und die Sportaffinität der jeweiligen Städte in die Gebührenberechnung mit ein. Da Lüneburg mit hoher Kaufkraft aufwartet, bekommen es die hiesigen Gastronomen wie auch die Wirte von Sportvereinsheimen mit Sky-Abonnements ab 1. September mit deutlichen Preissteigerungen zu tun. Der erste Sportsbar-Betreiber überlegt sogar schon, zum Jahresende zu schließen.

Die Bar Nini an der Hindenburgstraße ist eine reine Sportsbar, macht nur zu den Fußballspielen auf. Bislang mussten etwa 200 Euro im Monat berappt werden, dann kam das Schreiben mit einer mehr als 50-prozentigen Steigerung. Der Betreiber, der nicht genannt werden will, ist erbost: ,,Jetzt sollen es rund 330 Euro sein — ich habe von dem angebotenen Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht, am Mittwoch die Kündigung losgeschickt.“ Er habe aber einen Jahresvertrag, der noch bis Ende 2013 laufe: ,,Dann beginnt dieWinterpause, und ich habe genügend Zeit, um mir zu überlegen, ob ich schließe oder ob es Alternativen gibt.“

Über Beamer kommen die Fußballspiele auf die Großbildleinwand im Schallander am Stint, hier hat Chef Manfred Vogt bislang rund 2500 Euro im Jahr an Sky überwiesen, nun wird’s pro Monat um 50 Euro teurer. Kein Grund für ihn, abzuschalten: ,,Es geht ja nicht anders. Ein Geschäft ist zwar nicht damit zu machen, aber es ist ein Service für unsere Gäste. Bei den Highlights ist das Schalli richtig voll, übers Jahr gerechnet ist es allerdings keine Goldgrube.“ Gut besucht seien Bundesliga-Hitpartien, der Renner in der St.-Pauli-Domäne am Stint seien allerdings die Spiele des Kiez-Clubs.

,,Es ist eine Herzensangelegenheit — und die Wirtschaftlichkeit zählt natürlich auch“, sagt Christos Dovas, der mit seinem Bruder Michael das Comodo betreibt. In dem Haupthaus mit zwei großen Bildschirmen per Kabel und am Pavillon per Satellit können verschiedene Spiele parallel gesehen werden. Über eine Erhöhung wurde er noch nicht verständigt, geht auch nicht davon aus: ,,Da wir mit unserer Quadratmeterzahl in der höchsten Preiskategorie liegen, wird es wohl bei den rund 680 Euro monatlich bleiben.“ Kritik am neuen Modell kommt von ihm nicht: ,,Das ist wie mit dem Benzin. Wenn man ein Auto hat, fährt man bei steigenden Preisen trotzdem weiter. Zudem wurden in den vergangenen Jahren auch andere Dienstleis“ter, etwa die Brauereien, teurer.“ Nicht ohne Eigennutz hatten sich die fußballbesessenen Brüder vor sechseinhalb Jahren für Sky entschieden: ,,Wir haben selbst mehr als 20 Jahre Fußball gespielt, können so auch während der Arbeit zugucken.“

Zur Wirtschaftlichkeit sagt Christos Dovas: ,,Es amortisiert sich.“ Er nennt zwei Beispiele: ,,Läuft am Abend ein Spiel wie Augsburg gegen Braunschweig, ist es geschäftlich uninteressant. Da gucken vielleicht vier Leute zu, macht pro Mann und Halbzeit je ein Bier. Spielt Bayern gegen Dortmund, lohnt sich das bei unseren 600 Plätzen.“ Weitere Gästemagneten seien die Champions- und Europa-League-Spiele mit deutscher Beteiligung.

Hart trifft das neue Preismodell so manchen Vereinswirt wie Michael Köhncke vom TuS Erbstorf, der nach der Quadratmeter-Rechnung bislang 220 Euro im Monat zahlen musste: ,,Jetzt sind es fast 100 Euro mehr, macht bei meinen 55 Quadratmetern im Jahr etwa 3600 Euro — das haut rein. Wenn’s noch teurer wird, muss man überlegen, ob man’s wirklich weiter macht.“ Ein Geschäft lasse sich mit den Übertragungen nicht machen: ,,Es ist eine reine Servicegeschichte.“ Dass plötzlich die Kaufkraft von Lüneburg mit in die Preisgestaltung fällt, ist für ihn unverständlich: ,,Es kommt doch keiner aus Lüneburg zu mir, nur um Fußball zu sehen. Wir werden fast ausschließlich von Vereinsleuten frequentiert.Die trinken villeicht wegen eines spannenden Spiels mal ein Glas Bier mehr.“ Er gibt auch zu bedenken, dass Vereinswirte eine andere Preisgestaltung haben, ein Beispiel: ,,In einer normalen Lokalität in Lüneburg wird für ein Weizenbier rund 3,80 Euro verlangt, bei uns zahlt man 2,70 Euro.“ Und er kritisiert: ,,Wir müssen ja auch für die Zeit bezahlen, in der kein Fußball übertragen wird — wie in einigen Wintermonaten.“ Und richtet Köhncke private Feiern aus, sind die TV-Spiele eh tabu.