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Die Helden aus Hoopte

emi Hoopte. Der Norwegen-Urlaub neigte sich dem Ende zu, Familie Grube aus Hoopte war in Gedanken schon wieder halb in Deutschland — da passierte es. Ein Ereignis, das Fischer Wilhelm Grube und seine Söhne Per (20) und Jonas (8) wohl nie vergessen werden. Aufgebrochen waren sie an diesem Tag im Juli, um am Lyngen Fjord einen schönen, dicken Heilbutt zu angeln. Stattdessen zogen sie am Hafen von Djupvik, rund 100 Kilometer entfernt von Troms, einen 77-jährigen Norweger aus dem 12 Grad kalten Wasser — retteten ihn so im letzten Moment vor dem Ertrinken. „Nordlys“, die größte nordnorwegische Zeitung, widmete den Hoopter Helden am nächsten Tag eine Doppelseite.

„Wir sind gegen 11 Uhr vormittags runter zum Hafen“, erzählt Wilhelm Grube. „Dort gibt es eine kleine Fischölfabrik, mehrere Fischer- und Angelboote schaukelten im Wasser.“ Die Familie wollte gerade die Angelausrüstung zum Boot bringen, „da hörten wir plötzlich wahnsinnige Schreie, offenbar Hilfeschreie“. Sohn Per rannte zu der Stelle, aus der die Geräusche kamen, „auf einmal winkte er ganz aufgeregt“.

Ein Mann war vom Steg zwischen zwei Boote gefallen, die Füße in der Steganlage eingehakt, hing er mit dem Oberkörper ins Wasser. „Sein Kopf tauchte immer wieder unter, er gab im 20-Sekunden-Takt Schreie von sich.“ Offenbar war er gerade dabei gewesen, sein Boot anzubinden und hatte dann das Gleichgewicht verloren. Wilhelm Grube und sein älterer Sohn zögerten nicht lang, packten beherzt zu. Sie wussten nicht, dass es sich um den ehemaligen Bürgermeister von Kfjord handelte.

„Per und ich konnten den Mann zu zweit nur mit Müh und Not aus dem Wasser ziehen“, schildert Grube die dramatischen Minuten. „Das war schwierig, denn der 77-Jährige war völlig entkräftet, hing schlaff da, sein Kopf tauchte immer wieder unter Wasser. Er hatte wohl vorher bereits versucht gehabt, sich mit einer Leine am Steg festzubinden.“

Mit vereinten Kräften hievten die beiden Einar Storslett schließlich auf den Steg und winkten zwei Norweger herbei. Die riefen einen Krankenwagen und zerschnitten ihm die nassen Kleider. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin wickelte Wilhelm Grube den Geretteten in eine Neoprenjacke und passte auf, dass er ansprechbar blieb. 25 Minuten später wurde er ins Krankenhaus gebracht. Durch ein Interview im Internet weiß Grube, dass es dem Norweger inzwischen wieder gut geht.

„Das war ein Riesenschreck“, sagt der 58-jährige Grube im Rückblick. „Der Mann sah schrecklich aus, war kreideweiß im Gesicht. Wir wussten nicht, ob er überlebt.“ Doch das hat er — dank dem beherzten Eingreifen der Hoopter Fischer. Dass es am Ende keinen schönen, dicken Heilbutt mehr gab, war Familie Grube dann nicht mehr wichtig. Ein heiles Menschenleben wiegt einfach mehr.