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Ausgeleuchtet

ca Lüneburg. Als im Dezember 1801 der Schustergeselle Schmidt auf einer der finsteren Gassen Lüneburgs verunglückte, ging dem Magistrat angesichts des Schicksals des armen Kerls ein Licht auf: Wie andere Städte auch, so sollte Lüneburg eine Straßenbeleuchtung erhalten. Stadtchronist Volger notiert, dass 1817 die ersten Öl-Funzeln glommen. Doch erst im Oktober 1858 zischten gut 300 Gaslaternen. Die Lichtstärke einer Leuchte entsprach etwa zehn Kerzen, ist in alten Unterlagen nachzulesen.

Heute ist Lüneburg an vielen Stellen auch in der Nacht taghell erleuchtet. Und wenn man den drei Studenten Amelie Falk (22), Rebecca Chudaska (19) und Tassilo Schmidt (18) zuhört, tun Stadt und Geschäftsleute zu viel des Guten. Nach der Umweltverschmutzung gelte es jetzt, der „Lichtverschmutzung“ entgegenzutreten.

Das Trio von der Leuphana nennt als Beispiel die Kreuzung am Ilmenau-Center. Ein Dutzend Laternen in einem Radius von wenigen Metern haben sie gezählt. „Die Hälfte würde es auch tun“, glaubt Amelie Falk. Tassilo Schmidt betont, man wolle nicht zurück in die Zeit der Funzeln, aber die Frage sei, wie Licht sinnvoller eingesetzt werden könne. Lampen sollten so konzipiert sein, dass ihr Licht nicht in den Himmel strahle, das sei Verschwendung von Energie und irritiere Tiere. Rebecca Chudaska ergänzt, dass es gelte, auf die Lichtwellen zu achten. Ein bläulicher Schimmer locke kleine Flieger an: „Bis zu 150 Insekten sterben pro Nacht an einer Laterne.“

Die angehenden Umweltwissenschaftlerinnen und der Betriebswirt haben die Lage ausgeleuchtet. Sie loben, dass das 2007 von einer städtischen Gesellschaft und der E.ON gegründete Unternehmen Luna dabei ist, die 8000 Lüneburger Straßenlaternen auf neue Modelle umzustellen, bis Ende 2013 soll die Hälfte der Lampen ausgetauscht sein. Das von dem Unternehmen und der Politik angepeilte Ziel: Innerhalb der Vertragslaufzeit von 20 Jahren soll der Energieverbrauch um 32 Prozent gesenkt werden. Rund drei Prozent, das macht etwa 100 000 Kilowattstunden aus, habe Luna 2010 bereits gegenüber dem Vorjahr eingespart. Das senkt Kosten.

Auch Reppenstedt habe reagiert, sagen die Studenten. Dort gingen in tiefer Nacht, wenn kaum noch jemand unterwegs sei, in manchen Straßen die Lichter aus. Sinnvoll wäre es aus ihrer Sicht auch, zu prüfen, ob beispielsweise in Fußgängerzonen überhaupt Straßenlaternen notwendig seien, da an den Einkaufsmeilen strahlend helle Geschäfte für gute Sicht selbst in der Finsternis sorgen.

Ihre Kommilitonen beschäftigen sich mit anderen Aspekten der immer wieder gern zitierten Nachhaltigkeit, was einfach gesagt für sorgsamen Umgang mit Ressourcen stehen soll. Die 20 Lüneburger Studenten kooperieren mit ebenso vielen Jung-Akademikern in Phoenix in Arizona. Gegenseitige Besuche stehen auf dem Programm.

Wenn am Ende des Projekts als Ergebnis stehen mag, an dieser oder jener Stelle Laternen auszuschalten, mag das ökologisch sinnvoll sein, doch es könnte Protest geben. Das war schon so, als die Gasleuchten eingeführt wurden. Hatten Am Werder zuvor sieben Öl-Lampen geflackert, waren es im Gas-Zeitalter noch zwei. Der Gerber Salomon schickte noch am selben Tag der Neuerung eine Beschwerde los: Auch die neumodischen Laternen könnten schließlich nicht um die Ecke scheinen, es sei zu duster. Die Stadt antwortete: „Die Straße (ist) nach ihrer Begebenheit und dem zur Abendzeit dort statt findenden Verkehre“ ausreichend beleuchtet.