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Der doppelte Schlöbcke

rast Lüneburg. Als Single verließ Eduard Schlöbcke Lüneburg Ende Mai, jetzt kam er mit seinem Zwilling zurück. Der Bürgerverein Lüneburg hatte in der Bildgießerei Michael Wittkamp in Elmenhorst ein rund 15 Kilogramm schweres Duplikat der Büste des Kalkberg-Retters fertigen lassen. Die rund 2000 Euro teure Kopie schenkt der Verein anlässlich seines 50-jährigen Bestehens am 29. Juni 2014 der Hansestadt Lüneburg. Sie wird danach den Schlöbcke-Brunnen am Fuße des Kalkbergs schmücken. Nun gab’s die einmalige Chance, beide Büsten aus Bronze – quasi den Doppelkopf – an einem Ort zu sehen: im neuen Lüneburger Museum.

Dem Lüneburger Regierungs- und Baurat Eduard Schlöbcke (1852-1936) ist es zu verdanken, dass der Kalkberg nicht völlig abgetragen wurde. Der Naturschützer machte sich schon in seinem 1928 veröffentlichten Buch „Der Kalkbergführer“ für den Erhalt von Kalkberg und Gipsbruch als „Anschauungsmaterial aus der Urzeit, der Vorzeit und der Jetztzeit“ stark, ihm ist es zu verdanken, dass der Berg zum Naturdenkmal wurde. Daher wurde am Hauptweg zum Kalkberg mit dem Bau des Denkmals begonnen, das aus einem Brunnen, der Büste und einer Gedenktafel bestand. Die Einweihung war für den 84. Geburtstag von Schlöbcke am 17. August 1936 vorgesehen – die erlebte der Retter nicht mehr, er starb im März 1936.

Den Brunnen, der lange nicht mehr sprudelte, zugewuchert und alles andere als schön anzusehen war, ließ der Bürgerverein 2012 auf Initiative seines Vorsitzenden Rüdiger Schulz hin und mit Hilfe von Sponsoren restaurieren. Er ist heute ein sprudelndes Schmuckstück. Allein die Büste fehlt. Und das mit Grund: In der Vergangenheit wurde sie zwei Mal vom Sockel gerissen, tauchte aber beide Male wieder auf. Um die Büste nicht noch einmal einem Denkmal-Frevel auszusetzen, stellte sie der damalige Stadtgartenamtsleiter Wolfram Fischer in seinem Büro auf. Später kam der Schlöbcke-Kopf ins Naturmuseum, von dort ins Fürstentummuseum.

Der Bürgerverein machte das Original ausfindig, setzte sich mit dem Lüneburger Steinmetz Holger Dörries, einem Vereinsmitglied und Nachfahren des Bildhauers und Brunnenerbauers Dörries, zusammen. Der Verein sammelte Spenden und lieh sich das Original vom Museum aus, Holger Dörries brachte es zur renommierten Bildgießerei Michael Wittkamp in die Nähe von Schwarzenbek. Dort wurde zunächst eine Kautschuk-, dann eine Wachsform erstellt und das Bronze-Duplikat gegossen. Abgeholt wurden Original und Kopie jetzt von Wulf Helmert, der Geschäftsführer eines großen Ratzeburger Steinmetzbetriebes hatte zum Jahreswechsel die Firma Holger Dörries übernommen, in der Dörries selbst weiter beratend tätig ist. Wulf Helmert selbst sponserte das Schlöbcke-Projekt, konnte mit der Gießerei in Elmenhorst auch noch einen „Freundschaftspreis“ aushandeln.

Christina Broesike, Kuratorin für Naturkunde, freute sich jetzt über die Rückkehr des Originals ins neue Museum – und Rüdiger Schulz nahm freudestrahlend die Kopie in Empfang, über die nun der Bürgerverein bis zum Festtag im nächsten Jahr wacht.