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Bremsen-Alarm an Waldrändern und auf Weiden

pet Lüneburg. Ein plötzlicher, stechender Schmerz ist das erste Symptom. Zurück bleibt am Körper eine oft blutende Wunde, die dann später dick anschwillt, Quaddeln bildet, juckt und mächtig wehtun kann. Verantwortlich ist eine der zahllosen Arten der „Tabanidae“, zu Deutsch auch Bremsen oder auch Blindfliegen, die in diesen Tagen ihr Unwesen treiben. Und das nach Ansicht vieler, die sich häufig an der frischen Luft aufhalten, die mit Pferden oder mit Rindvieh zu tun haben, viel mehr als in den Jahren zuvor.

Beim Gesundheitsamt des Landkreises und dessen Veterinären sei „eine auffällige Häufung von Stichen bei Mensch und Tier nicht bekannt“, erklärte Kreissprecherin Frauke Noweck. „Allerdings müssen Bremsenstiche auch nicht gemeldet werden.“ Noweck sagt aber: „Die Hitze der letzten Tage und Wochen ist den Bremsen sicher zugute gekommen und hat dazu beigetragen, dass sie besonders aktiv sind.“

Dr. Ernst-Dietrich Paulus, 1. Vorsitzender des Kreispferdesportverbands Lüneburg, hat seine Pferde in Bütlingen – ein vermehrtes Aufkommen von Bremsen ist ihm da nicht aufgefallen. „Allerdings liegen wir in der Elbmarsch, das Gelände ist offener, es ist windiger.“ Ganz anders ist das in an anderen Regionen. „Extrem“ empfindet Johannes Hilmer, Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Brietlingen, die Bremsenplage in diesem Sommer. Und auch Häuslebesitzer, die in diesen Tagen ihren Garten genießen wollen, werden gequält, etwa Martin Peters, der in Wendisch Evern in Waldnähe wohnt.

Johannes Hilmer hat seine Pferde in Rullstorf stehen, Wälder und Felder ganz in der Nähe. Ein Weideschuppen, „in dem die Pferde am Tage Kopf an Kopf stehen“, sei für die Tiere, die tagsüber draußen sind, der beliebteste Aufenthaltsort. „Da gehen sie nicht in die Sonne, wo die Bremsen auf sie lauern.“ Teilweise, so Hilmer, stehen die Pferde an den heißen Tagen auch tagsüber im Stall, werden erst auf die Weide gelassen, wenn es dunkel wird. Hilmer: „Tiere, die geritten werden, werden mit Mitteln, die die Bremsen abhalten sollen, behandelt.“

Auch mit speziellen Decken und sogar Masken werden Pferde gegen Bremsen und andere Insekten geschützt, vereinzelt sind inzwischen auch im Landkreis ganz besondere Exemplare Pferd zu sehen – Tiere, die von ihren Besitzern im Zebramuster angestrichen werden. Im sozialen Netzwerk Facebook schwören schon Hunderte Pferdehalter auf den Erfolg der Methode. Der Hintergrund: Biologen wollen herausgefunden haben, dass Zebras ihre kontrastreiche Zeichnung im Fell offenbar auch als Schutz vor Insekten dient. Verwendet werden von den Pferdebesitzern unterschiedlichste Materialien, vom Wasser-Mehl-Gemisch bis hin zu speziellen Markierungsstiften. Auf einem Turnier habe er kürzlich ein Pferd mit einer zebragemusterten Decke gesehen und sich gefragt, wozu das gut sein soll, berichtet Johannes Hilmer – die Frage dürfte nun auch beantwortet sein.

Bei allem Ärger über die lästigen Insekten gibt es einen Lichtstreif am Horizont – in wenigen Wochen, wenn die Getreideernte eingefahren ist, ist es mit der Bremsenplage vorbei.