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Leben in der Demenz-WG

ca Lüneburg. Ins Heim möchte die Frau ihren verwirrten Mann nicht geben, aber zu Hause kann die Seniorin ihn in ihrem betagten Alter nicht mehr betreuen. Ein neues Angebot der kommunalen Wohnungsgesellschaft Lüwobau könnte helfen. Geschäftsführerin Heiderose Schäfke und ihre Mitarbeiter wollen eine „Demenz-WG“ eröffnen. Sechs Senioren könnten in der Wohngemeinschaft im Schildsteinweg 30 im Mittelfeld leben. Am Donnerstag, 1. August, 18 Uhr, sollen die Ideen vor Ort vorgestellt werden.

Heiderose Schäfke hat sich bei der Entwicklung für ein Konzept auch mit Fachleuten der Alzheimer Gesellschaft beraten. Ergebnis: Die Lüwobau stellt die Räume zur Verfügung, sie schließt Mietverträge mit den Bewohnern oder ihren Betreuern ab. Die organisieren nötige Pflege selbstständig und finanzieren sie auch. „Regieren“ sollen das Ganze die Angehörigen und – sofern möglich – die Bewohner. Im Hintergrund stehen zwei Überlegungen: Zum einen sollen demente Mieter und Angehörige eigenverantwortlich agieren. Zum anderen will die Lüwobau eine Wohnform zwischen Heim und Zuhause anbieten.

Heiderose Schäfke betont, dass selbstverständlich Vorgaben wie ein ausreichender Brandschutz erfüllt werden. Auf rund 220 Quadratmeter Fläche können die Senioren in diesem Herbst knapp zwölf Quadratmeter große Einzelzimmer beziehen. Gemeinschaftlich können sie zwei Bäder und einen großzügigen Wohn- und Küchenbereich nutzen – ähnlich wie in einer Studenten-WG könnte die Küche ein Mittelpunkt des gemeinschaftlichen Lebens werden. Überdies steht ein kleiner Garten zur Verfügung.

Julia Steckelberg von der Alzheimer Gesellschaft glaubt, dass die Konzeption Betroffenen und Angehörigen entgegenkommt. Wenn zum Beispiel mit allen gekocht und gegessen werde, könnte das die Bewohner zum Mitmachen einladen. Gleichzeitig könnten sie sich aber auch in ihr Zimmer zurückziehen, wenn sie allein sein wollen. Zudem seien die Partner und Familien der WG’ler eingebunden, sich um ihre Angehörigen zu kümmern und die Betreuung zu organisieren.

Heiderose Schäfke und Julia Steckelberg hoffen, dass sich das ihres Wissens für Lüneburg einmalige Angebot bewährt und Nachahmer findet. Denn in der älter werdenden Gesellschaft wird auch die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen steigen und damit auch der Bedarf an neuen Wohnformen.