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Urlaub in historischen Schätzen

rast Lüneburg. Seine große Liebe fand Detlef Stamer auf dem Schrottplatz: „Der Hanomag AL 28, Baujahr 1958, stand einfach so da, klein, handlich und schön.“ 400 Mark legte der Aufzugsmonteur aus Breitenfelde bei Mölln vor 31 Jahren dem Schrotthändler auf den Tisch. Danach investierte er viel Zeit in die Restaurierung des Fahrzeugs, das einst im Dienste des Bundesgrenzschutzes rollte. Und auch heute noch steckt er viele Arbeitsstunden in sein Schätzchen: „Auf die Uhr schaue ich dabei nicht.“ Was für andere beim ersten Anschein nach keiner großen Kapitalanlage ausschauen mag, ist für den Mann, der private wie dienstliche Touren in der Regel mit seinem BMW-Motorrad zurücklegt, „von unschätzbarem Wert“. Sein Lohn: der Spaß. Und den wird er auch in den nächsten anderthalb Wochen haben, denn er ist einer von mehr als 60 Teilnehmern der „Hanse-Ostsee-Tour 2013“, die am Sonnabend, 20. Juli, von Lüneburg aus startet.

Organisiert wird die Tour von der 1996 gegründeten Nutzfahrzeug-Veteranen-Gemeinschaft. Detlef Stamer: „Die jährlichen Ferienfahrten richten wir allerdings schon seit 20 Jahren aus.“ Am Freitag, 19. Juli, trafen die Besitzer aus der ganzen Bundesrepublik und aus den Niederlanden mit ihren 45 alten Lastwagen – keines der Gefährte ist jünger als 30 Jahre – auf den Sülzwiesen ein. Lüneburg wurde bewusst als Startort der Tour gewählt, Stamer: „Am Freitagnachmittag ist es schwierig, mit einem Lkw-Tross über die Elbe zu kommen, es gibt Probleme mit Staus. Also haben wir unseren Startpunkt vor die Elbe gelegt und fahren Sonnabend los.“

Schaulustige bestaunten die ersten Fahrzeuge von Marken wie Mercedes, Krupp, Henschel oder Magirus-Deutz. Oder den ältesten Lastwagen, einen Opel Blitz aus dem Jahre 1941, den der ehemalige Chirurg Dr. Peter „Pille“ Kraas aus dem Sauerland fährt. Zu den auffälligsten Oldies gehört der Bierwagen, Baujahr 1958, an dessen Steuer der Getränkehändler Heinz Seine aus Haltern am See sitzt: „Die Bierfässer hinten sind zwar original, aber leer – sieht doch toll aus.“ Den Kühler schmückt ein altes Veedol-Werbeschild aus Blech mit hübschem Frauen-Motiv aus den 50er-Jahren.

Erste Station der Tour, bei der auch Frauen und Kinder mitfahren, ist Lübeck, von dort aus geht es erst Montag weiter. Vereinsmitglied Manfred Perlemann begründet: „Sonntags dürfen die großen Lastwagen nicht fahren – und wir haben beispielsweise einen Pritschen-Fernzug, gebaut in den 60er-Jahren, dabei.“ Die weiteren Etappen der Tour sind Wismar, Stendal, Binz und Heringsdorf, Ziel ist am 30. Juli die Müritz.

Geschlafen wird übrigens nicht in Hotels oder Pensionen, sondern in den historischen Fahrzeugen. Und die bergen Überraschungen. So hat ein Paar beispielsweise auf seine Zugmaschine einen alten Bundeswehr-Funkkoffer von einem Unimog draufgesetzt und diesen zu einem schmucken Wohnbereich umfunktioniert. Und unter der aufgeschlagenen Plane so manchen Gefährts kommt ein geräumiger Wohnwagen zum Vorschein. Detlev und Ute Stolze etwa sind mit einem Hanomag Henschel F 161, Baujahr 1972, unterwegs. Stolz erzählt Detlev Stolze: „Der hat 240 PS und ist hinten komfortabel ausgerüstet mit Bett, Kühlschrank und Dusche.“ Und da schauen die anderen Tour-Teilnehmer auch gerne mal rein, denn neben der Erkundung der Hansestädte und ihrer Geschichten steht die Fachsimpelei über die Oldtimer im Mittelpunkt des Ferienspaßes. Mehr über die Nutzfahrzeug-Veteranen-Gemeinschaft gibt es unter www.n-v-g.de im Internet.