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Wenn Spielplätze zu Bauland werden

as/lkö Lüneburg. Für Bauland und gegen Spielplätze – so hat sich die Gemeinde Adendorf nach Abwägung in zwei Fällen entschieden. Das Argument: Angesichts von Ganztagsschulen und Ganztagskindergärten müsse darüber nachgedacht werden, ob die große Anzahl von Spielplätzen noch zeitgemäß sei. Zudem bringt Bauland Geld in die Kasse. Eine Ausnahme ist der Adendorfer Fall nicht, doch ein Trend lässt sich nicht erkennen. Die Stadt und Gemeinden im Umland wollen ihr Angebot erhalten oder sogar ausbauen.

112 Spiel- und Bolzplätze, 19 öffentlich zugängliche Schulhöfe und 13 städtische Kita-Außengelände betreut der Bereich Grünplanung zusammen mit der Abwassser, Grün und Lüneburger Service GmbH (AGL) in der Stadt. Stadtbaurätin Heike Gundermann sagt: „Wir werden keine Spielplätze schließen. Im Gegenteil, wir modernisieren die alten – ganz aktuell zum Beispiel im Kurpark, wo der Spielplatz eine neue Matschanlage bekommen hat, und planen in den nächsten Jahren den Bau mehrerer neuer.“ Dazu gehören sieben Spielplätze im Hanseviertel, drei im Pilgerpfad Süd und ein Spielplatz im Rosenkamp in Oedeme.

Lüneburg habe aber auch eine andere Siedlungsstruktur als Adendorf, erklärt Gundermann. „Wir haben viel mehr Geschosswohnungsbau, in denen die Mieter oft nur einen kleinen Balkon haben. Sie haben keinen eigenen Garten, sondern nutzen mit ihren Kindern zum Spielen die öffentlichen Flächen. Auch die längere Betreuung der Kinder in Ganztagsschulen ist für uns kein Argument für eine Schließung von Spielplätzen. Denn auch wenn sie erst am Nachmittag nach Hause kommen, wo sollen die Kinder spätnachmittags oder am Wochenende spielen? Auf den städtischen Spielplätzen. Kinder brauchen Bewegung, das unterstützen wir.“

Im Budget des Bereichs Grünplanung stehen in diesem Jahr 30 000 Euro für die Unterhaltung der öffentlichen Spielplätze und die Erneuerung von Spielgeräten zur Verfügung. Zusätzlich sind für die Modernisierung des Spielplatzes im Kurpark 50 000 Euro vorgesehen. Hinzu kommt noch Geld aus dem Budget der AGL für Grünpflege und Unterhaltung in Höhe von etwa 180 000 Euro.

22 Spielplätze gibt es in der Samtgemeinde Amelinghausen laut Verwaltungsmitarbeiter Stephan Kaufmann. Sieben davon in Amelinghausen, jeweils einen in Betzendorf und Oldendorf, je zwei in Rehlingen und in Soderstorf, außerdem gibt es in der Samtgemeinde fünf Kita- und drei Schulspielplätze sowie einen Krippenspielplatz. „Für die Unterhaltung und Bepflanzung haben die Gemeinden pro Jahr rund 500 Euro im Etat eingestellt“, erklärt Kaufmann. Das Angebot werde sehr gut angenommen, eine Reduzierung stehe nicht zur Debatte. Im Gegenteil: Amelinghausen will in diesem Jahr noch einen weiteren bauen.

Neun Spielplätze, alle mit einer Fläche von 1000 Quadratmetern und mehr, hat der Flecken Bardowick. „Das ist Infrastruktur für die Bevölkerung“, sagt Helmut Meier, Abteilung technisches Bauamt. Ein Rückbau stünde nicht zur Debatte, auch wenn es in Baugebieten einen Wandel bei der Einwohnerstruktur gebe. Für die Unterhaltung aller Spielplätze gebe es pro Jahr einen Etat-Ansatz von 35 000 Euro für Geräteaustausch, Reparatur, Sandaustausch und Grünflächenpflege. Darin enthalten ist die Gebühr für externe Prüfer.

In Reppenstedt toben derzeit 746 Kinder auf zehn Spielplätzen. Das ist ausreichend, findet Wolfgang Jesswein von der Bauverwaltung der Samtgemeinde Gellersen: „Die Spielplätze werden alle gut genutzt, das merkt man ja bei den Kontrollen, ob die Mülleimer gefüllt und in welchem Zustand die Spielgeräte sind.“ 5000 Euro gebe der Ort pro Jahr für Neuanschaffungen aus, rund 26 000 Euro koste die Instandhaltung der Spielplätze jährlich. Eine Umwandlung in Baugrundstücke werde gerade nicht diskutiert, allerdings wurde schon mal ein kleiner Spielplatz aufgelöst und dann als Baugrundstück verkauft: „Der wurde nicht mehr genutzt und auch nachdem er geschlossen wurde, hat nie mehr jemand nach ihm gefragt“, versichert Jesswein.