Dienstag , 27. September 2016
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Schiffshebewerk Scharnebeck wird Brennpunkt

dth Scharnebeck. Der Angestellten-Streik ist ausgesetzt, doch die technischen Probleme dauern an: Bis spätestens Sonntag, 28. Juli, solle der Stau der Binnenschiffe am Schiffshebewerk jedoch komplett abgebaut sein, sagt Klaus Ripphahn vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Uelzen. Donnerstag Morgen warteten insgesamt 83 Schiffe am Schiffshebewerk auf den Schleusvorgang. Davon lagen 42 Binnenschiffe und vier Sportboote aus Richtung Hamburg im Unterwasser des Hebewerks sowie 33 Binnenschiffe und vier Sportboote im Oberwasser aus Richtung Uelzen.

Damit ist eine Situation eingetreten, vor der Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) den Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in einem Brief gewarnt hat, der der LZ in Kopie vorliegt. Gleichzeitig fordert der Sozialdemokrat eine Beteiligung der Länder bei der umstrittenen Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes.

Unterdessen ist das Schiffshebewerk Scharnebeck für das WSA Uelzen zum Brennpunkt im Elbe-Seitenkanal (ESK) geworden. Die Schleuse Sülfeld war laut Ripphahn von den bisherigen Arbeitsniederlegungen kaum betoffen, an der Schleuse Uelzen hielt ein Beamter den Betrieb tagsüber zumindest von 6 bis 16 Uhr aufrecht. In Scharnebeck hingegen führen zusätzlich zum Personalmangel technische Defekte dazu, dass das Hebewerk seit Dienstag komplett stillsteht. Mitarbeiter des WSA-Bauhofes sollen heute laut Ripphahn einen Fehler in der elektronischen Steuerung des Osttrogs beheben. Dann liefe der Betrieb wieder, vorerst aber nur mit halber Kraft.

Denn die Reparatur eines Lagerschadens im Westtrog der Scharnebecker Schleuse wird voraussichtlich erst am Samstag, 27. Juli, abgeschlossen. Mit einer Kranbahn wurde im Inneren des Aufstiegbauwerks ein 3,5 Tonnen schweres Lager herausgehoben – Teil des riesigen Räderwerkes, über das 54 Millimeter dicke Stahlseile laufen, um die 5800 Tonnen schweren, mit Wasser gefüllten Tröge mittels Gegengewichten rauf- und runterfahren zu lassen.

In seinem Brief an den Christsozialen Ramsauer hat SPD-Mann Lies unterdessen Verständnis für die Streiks der Angestellten in der WSV geäußert. Die Streiks seien „Ausdruck eines großen Unbehagens der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hinsichtlich der künftigen Aufgabenverteilung und der Personalverwendung“, heißt es in dem Schreiben vom 18. Juli. Verständnis hätten die Länder laut Lies auch für die Reformbestrebungen des Bundes, er verweist aber auf Forderungen nach einer „sachgerechteren Organisationsstruktur und einer stärkeren Berücksichtigung der Länderinteressen“.

Anlässlich der Streiks sei die Landesregierung „von großen Wirtschaftsunternehmen in Niedersachsen – hier namentlich u.a. vom VW-Konzern – angesprochen worden, die die Entwicklung ebenfalls mit großer Sorge betrachten und gegenüber der Landesregierung die Verlässlichkeit des Verkehrsträgers Binnenschiff thematisieren“, heißt es in dem Brief weiter.

Dabei werde die Binnenschifffahrt aufgrund der Mengenentwicklung beim Gütertransport aus Sicht des Landes Niedersachsen „als zunehmend wichtigerer Partner“ angesehen. Minister Lies fordert seinen Berliner Kollegen zu „mehr Transparenz und Klarheit“ bei der geplanten Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung auf: „Aus Sicht der Landesregierung sowie der niedersächsischen Wirtschaft ist es sehr wichtig, dass Sie schnellstmöglich eine verlässliche Regelung mit den Gewerkschaften schaffen, damit eine denkbare Wiederaufnahme der Streikmaßnahmen verhindert wird. Ich sehe die Gefahr, dass die zu erwartenden Verluste bei den Unternehmen die erhoffte Dynamik beim Güterverkehr auf den Binnenwasserstraßen erheblich ausbremsen könnte.“