Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Müllwagen im Schleudergang

emi Embsen. Der wuchtige Müllwagen braust mit 40 Stundenkilometern über die rutschige Fahrbahn. Plötzlich schießen Wasserfontänen aus dem Boden, ein ohrenbetäubendes Bremsenquietschen, der 15-Tonner schlingert, schleudert – und fährt mitten hinein in die spritzende Gischt. „Wenn das jetzt Beton gewesen wäre, hättest du ein Problem“, spricht ADAC-Trainer Hajo Goj am Rande der Strecke in sein Funkgerät. Der 48-Jährige ist einer von mehreren Betreuern, die die sechs Auszubildenden der Stadtreinigung Hamburg im ADAC-Fahrsicherheitszentrum Embsen fit machen soll für ihren Alltag als Berufskraftfahrer im Hamburger Stadtverkehr.

„Die Fontänen simulieren plötzlich auftauchende Hindernisse“, erklärt Goj, „also zum Beispiel Kinder, die unvorhergesehen auf die Straße rennen oder auch ein Auto, das auf der Straße steht“. Die Fahrer sollen ein Gefühl dafür bekommen, wie lange die Bremswege bei verschiedenen Geschwindigkeiten sind. Und sie sollen lernen: „Bei zu hoher Geschwindigkeit bricht der Wagen aus. Im Ernstfall prallt es unter Umständen in eine Baumreihe oder in geparkte Autos.“

Moritz Falkenberg steigt aus dem Fahrerhaus des Müllwagens, seine Augen strahlen. Denn auch wenn das Training den 21-Jährigen im 2. Ausbildungsjahr auf ernste Situationen im Arbeitsalltag vorbereiten soll, „es bringt sehr viel Spaß“. Besonders schwierig sei es gewesen, auf der glatten Fahrbahn zu lenken und dem Hindernis auszuweichen. „So ein Lkw ist halt einfach größer und schwerer als ein Pkw“, sagt Moritz, und zuckt mit den Schultern.

Der 21-Jährige hat sich mit der Ausbildung einen Traum erfüllt: „Schon seit ich ein kleiner Junge war, wollte ich Müllmann werden.“ Was ist so faszinierend an diesem Beruf? „Man ist immer unterwegs, der Job ist abwechslungsreich und gefährlich und das Feeling in einem Lkw ist einfach anders als in einem Pkw“, antwortet der Auszubildende, und sein Beifahrer und Kollege Ricky Härting nickt zustimmend. Und der viele Müll anderer Leute? „Viele empfinden das am Anfang als eklig, aber man gewöhnt sich dran.“

Alle angehenden Berufskraftfahrer der Stadtreinigung Hamburg zwischen dem zweiten und dritten Ausbildungsjahr müssen ein Fahrtraining absolvieren, berichtet deren Fahrtrainer Jörg Wittenberg. „Damit die Leute noch sicherer mit ihren Fahrzeugen werden und mit den verschiedenen Verkehrssituationen klarkommen.“ Nach der Ausbildung wird die Schulung alle fünf Jahre wiederholt. „Denn die Technik ändert sich.“

Azubi Moritz Falkenberg bestätigt: „Man lernt viel beim Training.“ Ein Jahr fehlt ihm noch, dann ist die Ausbildung zum Berufskraftfahrer offiziell beendet. Besonders freut sich der 21-Jährige auf die Kinder, die ihm bei seiner Arbeit zuwinken. Denn: „Das habe ich als Junge auch immer gemacht.“