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Böcke blind vor Liebe

ol Lüneburg. Jäger wissen es, Naturfreunde haben es sicher bemerkt. Rehwild kann derzeit nicht nur in der Dämmerung, sondern auch am Tage beobachtet werden. Grund ist die Rehwildbrunft. Die Paarungszeit der Tiere dauert noch bis Mitte August und erreicht in diesen Tagen ihren Höhepunkt. Deshalb mahnt die Jägerschaft im Landkreis Lüneburg Autofahrer zu besonderer Vorsicht.

Während der Brunft sucht und treibt der Rehbock seine Auserwählte oft stundenlang über Wiesen und Felder. Hält sich Rehwild normalerweise von den Straßen fern, folgt es während der Blattzeit hauptsächlich dem Fortpflanzungstrieb. Die Böcke sind blind vor Liebe und die Gefahr von Unfällen steigt enorm. In dieser Zeit müssen sich Verkehrsteilnehmer auch in Bereichen, die nicht auf einen Wildwechsel hinweisen, auf plötzlich auftauchendes Rehwild einstellen.

Auf der Suche nach einer Ricke kann der Rehbock in das Revier eines anderen eindringen. Heftige Kämpfe und wilde Verfolgungen sind die Folge, auch über Straßen. Besonders groß ist die Gefahr an unübersichtlichen Straßenabschnitten entlang von Wäldern und Feldern – so wie im Osten und Südwesten des Landkreises Lüneburg. Akute Wildunfallgefahr besteht derzeit an der Bundesstraße 209 zwischen Drögennindorf und Oerzen und an der Landesstraße 221 zwischen Sülbeck und Neetze sowie entlang der Straßen in der Elbmarsch. Hohe Temperaturen fördern die Duftstoffe der Ricke, die den Rehbock auf ihre Fährte locken soll.

Die Jägerschaft Lüneburg versucht mit präventiven Maßnahmen die Zahl der Wildunfälle zu minimieren. An Unfallschwerpunkten warnen großformatige Schilder Autofahrer schon seit Jahren vor Wild auf der Straße, ebenso wie orangefarbene Dreibeine, die an Unfallstellen errichtet werden. Zudem bringen die Jäger entlang der Straßen im Kreis blaue Wildwarnreflektoren an. „Die Schilder wirken allerdings nur bei Dunkelheit“, sagt Torsten Broder, Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Überprüft werden sollen nun auch noch die Standorte der Verkehrsschilder „Achtung Wildwechsel“. „Die Frage ist, ob die Gefahr noch besteht, und wo sich neue Gefahrenstellen gebildet haben“, so Broder. Im vergangenen Jahr wurden der Polizei fast 1000 Unfälle mit Wild gemeldet.

Auch die anstehende Erntezeit verschärft die Situation für das heimische Rehwild. Innerhalb weniger Tage verwandelt sich die Landschaft: Getreidefelder, die vor kurzem noch Schutz und Deckung boten, verwandeln sich in Stoppelfelder. Dieser „Ernteschock“ raubt dem Wild nicht nur die Deckung, sondern die zum Teil bis in die Nacht andauernde Erntevorgänge beunruhigen das Wild zusätzlich.

Kommt es trotz umsichtigen Fahrens dennoch zu einem Zusammenstoß mit Wild, gilt: Unfallort absichern, das angefahrene Tier von der Straße ziehen und die Polizei verständigen, die dann den zuständigen Revierinhaber informiert. Sollte das angefahrene Wild flüchten, nicht selbst verfolgen, aber die Fluchtstelle markieren. Der Jagdausübungsberechtigte wird mit einem Jagdhund das verletzte Tier suchen.

Eine Bestätigung für die Versicherung stellen sowohl die Polizei als auch der Revierinhaber aus.