Donnerstag , 29. September 2016
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Die Auslese der perfekten Körner

off Lemgrabe. Die Auslese der perfekten Körner läuft im modernsten Saatenzentrum des Nordens im Verborgenen. Hinter Metallwänden, im Herzen hocheffektiver Maschinen, wird seit Erntebeginn eine Probetonne Gerste nach der nächsten auf ihre Reinheit getestet – industrielle Gründlichkeit, in die die Volksbank Osterburg-Lüchow-Dannenberg eG fast acht Millionen Euro investiert hat. Innerhalb eines Jahres ist auf dem Raiffeisen-Gelände in Lemgrabe eine sechsstöckige Aufbereitungsanlage für Saatgut entstanden, von außen nicht mehr als eine schlichte Halle. Doch was für Laien unspektakulär wirkt, sichert Landwirten in Norddeutschland und Dänemark die Ernte des kommenden Jahres.

Die Erzeugung von Saatgut ist im 21. Jahrhundert komplex – und erfordert von Züchtern, Landwirten und Aufbereitern vor allem eines: Gründlichkeit. „Wer bei uns zertifiziertes Saatgut für Gerste kauft, will auch, dass Gerste auf seinem Feld wächst. Und zwar nur Gerste“, sagt der Geschäftsführer der Saatenzentrum GmbH Dahlenburg, Matthias Lüdemann. Das heißt für die Landwirte, die das Saatgut vermehren: Sie müssen ihre Felder frei halten von anderen Getreidearten. Und das heißt für die Raiffeisen: Reinigung, Auslese und Aufbereitung der Saat müssen perfekt sein.

Angebaut wird das Saatgetreide für Lemgrabe von rund 80 landwirtschaftlichen Betrieben in den Kreisen Lüneburg, Lüchow-Dannenberg und Stendal. Noch auf dem Feld werden Gerste, Roggen, Weizen, Hafer und Triticale (eine Kreuzung aus Roggen und Weizen) von einem Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer ein erstes Mal auf ihre Reinheit getestet. Gibt der grünes Licht, dürfen sie geerntet, aufgeladen und in der neuen Saatgutanlage Lemgrabe abgeliefert werden. Der Probebetrieb ist in dem 25 Meter hohen Silo angelaufen, in wenigen Wochen wird das Werk fast rund um die Uhr bis zu 500 Tonnen Saatgetreide am Tag aufbereiten. Die alte Anlage in Lemgrabe aus den 1970er Jahren haben Lüdemann und seine Kollegen umgewidmet und nutzen sie künftig als Lager für Konsumgetreide.

Und so läuft die hochmoderne Saatgutaufbereitung: Gerste, Roggen, Weizen, Hafer oder Triticale werden geliefert und in der Annahmegosse abgekippt. Liegt der Feuchtigkeitsgehalt der Körner bei mehr als 15 Prozent, werden sie vor der weiteren Verarbeitung mit heißer Luft getrocknet. Ist das Getreide trocken genug, beginnt der Reinigungsprozess. „Als erstes wird der grobe Staub rausgefiltert, dann werden zu große oder zu kleine Teile im Getreide wie Distelköpfe oder Strohteile aussortiert“, erklärt Lüdemann. Danach folgt die Auslese zu kurzer und zu langer Körner, „damit werden zum Beispiel gebrochene Kornteile ausgesiebt“. Sollte das Getreide mit Mutterkorn verunreinigt sein, werden die dunklen Körner vom Farbausleser erkannt und verworfen. „Am Ende des mehrstufigen Ausleseprozesses haben wir perfekt gereinigte Getreidekörner“, sagt Matthias Lüdemann. Der erste Aufbereitungsschritt auf dem Weg zum zertifizierten Saatgut.

Das gereinigte Getreide wird von den Experten der Landwirtschaftskammer nun ein zweites Mal getestet: Auf Reinheit, Keimfähigkeit und Gesundheit. Sind alle Werte in Ordnung, wird das Saatgut anerkannt. Und in Lemgrabe folgt das Beizen, die Behandlung des Saatguts mit Pflanzenschutzmitteln, um es gegen Krankheiten und vor Schädlingen zu schützen. Erst danach wird das Saatgut in handliche Säcke verpackt und verkauft. Tausende Körner, bereit, um heranzuwachsen zum reinen Gersten-, Roggen-, Weizen-, Hafer- oder Triticalefeld.