Dienstag , 27. September 2016
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Familienbesuch aus China

dth Amelinghausen. Für den Chinesen war die Stippvisite im Heideort Amelinghausen ein Besuch bei seiner zweiten Familie. Mingyu Zhang (gesprochen: „Ming-jü Tschang“) hatte sich von 2007 an für drei Jahre im Autohaus Plaschka durch eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker gekämpft, trotz zunächst eher rudimentärer Deutschkenntnisse, die sich oftmals auf ein freundliches „Ja“ und ein höfliches, wenn auch verständnisloses, Nicken beschränkten. Auch der übliche Werkstattdreck bereiteten ihm zuweilen Unbehagen. Doch das liegt nun schon Jahre zurück und Mingyu Zhang hat seinen Weg gemacht, mit dem Gesellenbrief in der Tasche, von der Werkstatt im Amelinghausener Autohaus zum VW-Personaldienstleister „Screen“, für den er im chinesischen Changchun als Trainer rund 120 VW-Standorte im Reich der Mitte betreut.

Pünktlichkeit, Fleiß und Wissbegierde haben schon während der Ausbildung Mingyu Zhang ausgezeichnet, sagt Autohausinhaberin und Gast-Mutter Gisela Plaschka stolz. Sie hatte den jungen Chinesen während der Ausbildung unter ihre Fittiche genommen: Er konnte im Nachbarhaus der Plaschkas mietfrei wohnen und aß regelmäßig mit der Familie zu Mittag. „Dabei ist er immer zuerst in seine Wohnung gelaufen und hat sich umgezogen, damit er nicht in Arbeitsklamotten bei uns am Tisch saß und nach der Mittagspause hat er sich erneut umgezogen“, erinnert sich Plaschka an die Angewohnheiten ihres jahrelangen Gastes aus Fernost.

Am vergangenen Sonnabend, 27. Juli, sitzt Zhang erneut im Familienkreis der Plaschkas. Rund zwei Jahre sind seit dem letzten Mal vergangen. Der Kontakt ist aber in der Zwischenzeit nie abgebrochen, E-Mail sei dank. Fröhlich zeigt Gisela Plaschka ausgedruckte Bilder von Mingyu Zhang mit seiner chinesischen Freundin und freut sich für ihren Schützling. Und er sagt über Plaschka: „Sie ist wie eine zweite Mutter.“

Zhang ist derzeit für insgesamt rund sechs Wochen über ein Business-Visum in Deutschland, um bei VW eine Fortbildung zu machen. Seine Freizeit nutzt er, wie schon während seiner Ausbildung, für Ausflüge. In besonderer Erinnerung sei ihm der Hamburger Hafen geblieben. „Ich liebe es, am Wasser zu sein.“ Und in der Heide bei seiner Gastfamilie in Amelinghausen.

Dass Zhang auch nach zweijähriger Abstinenz in China die Gepflogenheiten deutschen Smalltalks nicht verlernt hat, zeigt sich, als Werkstattmeister und Freund Finn Kusche zum Plausch vorbeikommt: „Hallo wie geht’s?“ – „Danke, gut. Und selbst?“ – „Auch, gut. Und was macht die Arbeit ?“ . . . Es ist ganz anders, als zu Beginn seiner Zeit bei Plaschkas: Als Mingyu Zhang gerade einen Intensiv-Deutsch-Kursus in China hinter sich hatte und sich mit den Kollegen in der Werkstatt dann doch noch mit Händen und Füßen und mithilfe einer Fotowand verständigen musste. Doch er hat seinen Weg gemacht, vom Autohaus in der Heide zurück ins Reich der Mitte, die Karriereleiter hinauf.