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Gelbe Karte für Falschparker

jwi Lüneburg. „Sie haben meinen Parkplatz! Wollen Sie auch meine Behinderung?“ Diesen provokanten Spruch bekommen ab sofort Autofahrer auf einer Postkarte an ihre Windschutzscheibe geheftet, wenn sie einen Parkplatz blockieren, der nur für Schwerbehinderte vorgehalten ist. Was für fitte Fahrer ein schnell gefundener Stellplatz etwa vor einer Arztpraxis ist, beschert zum Beispiel einem Gehbehinderten, der auf Gehhilfen oder einen Rollstuhl angewiesen ist, einen langen und mühsamen Weg – wenn der für ihn gedachte Platz besetzt ist.

Mit dieser Aktion will der Sozialverband (SoVD) die Autofahrer sensibilisieren und bittet die Falschparker, das nächste Mal genauer hinzusehen und woanders zu parken. Elfi Rosin, Vorsitzende des SoVD-Kreisverbands Lüneburg-Lüchow, und die Geschäftsstellenleiterin Beate Lockemann haben jetzt in der Lüneburger Innenstadt angefangen, die Karten hinter die Scheibenwischer zu klemmen. „Unsere Gelbe Karte an die Autofahrer haben wir in 1000er-Auflage drucken lassen, die werden wir mit Sicherheit in den nächsten Wochen los“, sagt Elfi Rosin.

Ihre Tour beginnen die beiden Frauen in der Wallstraße. Vor einer Zahnarztpraxis sind drei Behindertenparkplätze ausgeschildert, alle drei sind von Autos besetzt, die keinen Behindertenausweis hinter der Windschutzscheibe haben. Zwei von ihnen haben auch schon ein Knöllchen bekommen. 35 Euro kostet das Vergehen. Jetzt kommt noch eine Gelbe Karte hinzu. „Na, die werden sich freuen“, sagt Beate Lockemann: „Es bleibt zu hoffen, dass die Kombination von Knöllchen und Karte den Lerneffekt vergrößert.“

Doch nicht jeder Besitzer eines Schwerbehindertenausweises ist berichtigt, diese Parkplätze zu nutzen, „nur Menschen, die ein aG für ,außergewöhnlich Gehbehindert‘ und Bl für ,Blind‘ in ihrem Ausweis eingetragen haben, dürfen dort parken“, erklärt Elfi Rosin.

Weiter geht es bei der Karten-Tour zum City-Parkhaus an der Neuen Sülze. Dort gibt es auch drei ausgeschilderte Parkplätze für Schwerbehinderte. Zwei sind frei, einer wird von einem Audi A 4 belegt, der halb auf dem Behindertenparkplatz und noch auf einer Sperrfläche steht. Auch er hat sich die Gelbe Karte verdient.

Über das gesamte Gebiet der Stadt Lüneburg sind laut deren Internetseite 138 öffentliche Parkplätze von der Stadt extra für Behinderte eingerichtet. Am Marienplatz befinden sich ebenfalls mehrere ausgewiesene Sonderplätze. Drei werden von Autos besetzt. Eines hat den blauen Ausweis, der den Besitzer dazu berechtigt, dort zu parken. In einem weiteren Auto liegt zwar ein Behindertenausweis, aber nicht der mit dem aG- oder Bl-Eintrag. Trotzdem bekommt er ausnahmsweise keine Karte. „Hier drücken wir noch mal ein Auge zu, eigentlich dürfte er hier nicht parken, aber da er schon einen Ausweis hat, wollen wir ihm mal keine Karte geben“, sagt Lockemann.

Landesweit läuft derzeit die Aktion. In anderen niedersächsischen Städten wurden schon viele Karten verteilt, „die betroffenen Autofahrer reagierten sehr unterschiedlich. Manche sahen ihren Fehler ein, andere schimpften“, weiß Rosin. Auf falsch parkende Fahrer trafen die Frauen auf ihrer ersten Tour nicht. In den nächsten Wochen wollen sie auch im Landkreis ihre Karten verteilen.