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Rückschnitt bereits ab August

ml Lüneburg. Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Das hat sich nach dem dramatischen Hochwasser der Elbe im Juni offenbar auch Dr. Johannes Prüter gedacht. Auf Initiative des Leiters der Biosphärenreservatsverwaltung in Hitzacker kann der Rückschnitt der Verbuschung im Deichvorland in diesem Jahr bereits am 1. August beginnen – zwei Monate früher als normal. Das Umweltministerium in Hannover hat dem Schritt bereits zugestimmt, „allerdings einmalig und unter Auflagen“, schränkt Sprecher Rudi Zimmeck ein.

„Positiv überrascht“ hat Prüters Vorstoß auch Jürgen Siems. Seit Jahren schon kämpft der Vorsitzende des Vereins zum Schutz der Kulturlandschaft und des Eigentums im Elbtal (VSKE) dafür, Bäume und Sträucher an den Ufern des Stromes in bestimmten Bereichen kurz zu halten. Zwar gilt mittlerweile als unstrittig, dass zu hoher Bewuchs den Hochwasserabfluss hemmt, doch immer wieder ringen Deichverbände, Behörden und Vereine über Ort und Umfang der Maßnahmen. „Das Juni-Hochwasser hat einmal mehr die Brisanz verdeutlicht“, sagt Siems. Deshalb ist der vorzeitige Rückschnitt für ihn nur ein erster Schritt. „Wir brauchen ein Konzept, das den Rückschnitt auf zuvor definierten Flächen über einen längeren Zeitraum regelt.“

Doch was in der Theorie einfach klingt, bereitet nicht nur Stefan Bartscht in der Praxis Kopfzerbrechen. „Unsere Planungen waren auf den 1. Oktober ausgerichtet“, sagt der Fachdienstleiter Umwelt beim Landkreis Lüneburg. Deshalb glaubt er ebensowenig wie Siems, dass der Rückschnitt tatsächlich am 1. August beginnt – „zumal die damit beauftragte Firma frühestens Mitte August wieder Kapazitäten frei hat“, sagt Bartscht.

Zudem sind vorher noch viele Fragen zu klären: „Auf welchen Wegen kommen die Fahrzeuge und Maschinen ins Deichvorland, wo darf das Schnittgut gelagert werden“, listet Bartscht auf. Ein entsprechendes Gespräch mit der Biosphärenreservatsverwaltung ist ebenfalls erst für August geplant.

Dann wird es auch um die Auflagen des Umweltministeriums gehen. Und die Liste ist lang. „Entfernt werden dürfen nur Gehölze, die für den Hochwasser-Abfluss, aber nicht für den Naturschutz relevant sind“, sagt Tobias Keienburg von der Biosphärenreservatsverwaltung und nennt ein Beispiel: So dürfen Weiden nur zurückgeschnitten werden, wenn sie einzeln stehen, nicht Teil einer Weichholzaue sind. Auch darf das Schnittgut nur in Ausnahmefällen im sensiblen Gebietsteil C gelagert werden. Doch genau das fordert unter anderem Norbert Thiemann, Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbandes. „Wir brauchen kurze Wege, um die knapp bemessene Zeit für den Rückschnitt effizient zu nutzen.“ Am höchsten sei der Handlungsbedarf auf den Flächen, „die als erstes unter Wasser stehen“. Als Beispiele nennt er den Radegaster Haken und die Elbeabschnitte vor Wendewisch und Barförde.

Und Thiemann hat ein weiteres Problem ausgemacht: „Noch ist das Deichvorland so feucht, dass es nur an wenigen Stellen mit schwerem Gerät befahren werden kann.“ Ein weiterer Grund, warum Stefan Bartscht hofft, wenigstens einen Zeitgewinn von vier bis fünf Wochen rauszuschlagen, bis Anfang Oktober der reguläre Rückschnitt bis Ende Februar 2014 begonnen hätte.

Vom Vorstoß der Biosphärenreservatsverwaltung bleiben dennoch viele Akteure „positiv überrascht“. Für Keienburg liegen die Gründe auf der Hand: „Die spezielle Hochwassersituation hat ebenso dazu geführt, den Zeitraum zu verlängern, wie der Umstand, dass im vergangenen Winter wegen der hohen Wasserstände kein Rückschnitt möglich war.“ Ungewöhnliche Situationen erfordern manchmal eben ungewöhnliche Maßnahmen. Auch im Naturschutz.