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Lüneburger heiß auf Eis

jwi Lüneburg. Der Geruch von Schokolade liegt in der Luft. Wenige Minuten später riecht es nach Rum. Speiseeishersteller Felipe Vaz Melo ist bei der Arbeit. Nachdem er eine warme, gelbe und zähflüssige Masse, die er Basis nennt, in einen Eimer abgefüllt hat, kommen verschiedene andere Zutaten hinzu. Für Malaga unter anderem Malagawein und Rumaroma. Anschließend füllt er die Masse in die Maschine, welche sie innerhalb weniger Minuter auf minus 10 bis minus 11 Grad Celsius runterkühlt. Erst danach kommen die Rosinen hinzu. Jetzt ist das Eis fertig und kann verkauft werden – oder kommt in den Kühlraum. „Wenn das Eis frisch aus der Maschine kommt, hat es einen ganz anderen Geschmack als an der Theke“, erklärt Felipe. „Das liegt daran, dass das Eis mit Luft in Berührung kommt.“ Eis – das ist es, worauf die Lüneburger jetzt richtig heiß sind.

An der Ladentheke hat der Ansturm erst vergangene Woche begonnen. Fest steht: Vanille- und Schokoeis sind die beliebtesten Eissorten bei den Lüneburgern. „Wenn ein guter Tag ist, produziere ich acht bis zehn große Eisbehälter mit je elf bis zwölf Litern Inhalt“, sagt der Speiseeishersteller Felipe von Venezia vom Platz Am Sande.

Gefühlt wird der Preis für das Eis jedes Jahr teurer. 50 Cent kostete es in Lüneburg nach der Euro-Einführung 2001 – heute fast überall 1 Euro. Die Lüneburger Eiscafés sind sich einig, woran das liegt: Milch, Sahne und Zucker würden immer teuerer werden. Auch Dr. Annalisa Carnio von Uniteis, der Vereinigung der italienischen Speiseeishersteller, sagt, dass die Preise für die Grundzutaten so stark gestiegen seien. Ein Blick auf die Börsendaten der Rohstoffe Milch und Zucker zeigt, dass sie in etwa auf dem gleichen Niveau wie vor zehn Jahren sind oder sogar noch darunter. „Aber Strom und Personalkosten sind auch gestiegen“, gibt Carnio zu bedenken. Eigentlich sei das Eis sogar noch zu günstig, vor allem im Vergleich zu industriell hergestelltem Speiseeis: „Der zu niedrige Preis für eine Eiskugel birgt das Risiko, dass unser Produkt verramscht und das Qualitätsimage geschmälert wird.“

Wirklich ausgefallene Sorten gibt es bei Lüneburger Eisdielen nur wenige. „Wir hatten mal Bier- und Kartoffeleis. Jetzt haben wir Schoko-Chili und Hello Kitty Eis im Angebot“, sagt Jehan Gavaz vom Eiscafé Da Davide in der Grapengießerstraße. Snickers- und Überraschungsei-Eis sind die ausgefallensten Sorten in der Eisdiele Da Marco in der Schröderstraße.

Im Eispavillion am Schrangenplatz bei Comodo macht man sich ebenso Gedanken über neue Eissorten. Griechischer Joghurt und Schmeckerfatz, ein Birneneis, sind ihre neusten Kreationen. Trotzdem bleiben auch hier Vanille und Schoko die bestverkauften Sorten, die Lüneburger Eisdielen setzen eher auf die Klassiker als auf Experimente. Nicht nur in Lüneburg ist Vanilleeis beliebt. Auch in den USA, wo am heutigen 23. Juli der Vanilleeis-Tag gefeiert wird.

Eismacher Felipe schwört auf Stracciatella: „Das ist die perfekte Mischung der Zutaten.“ Nur Waldmeister und After Eight kann er nicht riechen. Auch die Musik, die er über Kopfhörer bei der Eisherstellung hört, kann ihn davon nicht ablenken. Ohne Musik wird den ganzen Tag Eismachen für ihn langweilig, obwohl das Probieren des fertigen Eises zur angenehmen Pflicht gehört.