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Adebar im schwarzen Kleid

emi Hohnstorf/Barförde. Ein richtiger Schnappschuss ist einmal mehr Piter Wichers gelungen. Stets auf der Suche nach Vorlagen für seine Holzskulpturen, ist der Hobby-Fotograf und Kettensägen-Schnitzer aus Hohnstorf oft am Deich unterwegs. Auch am Sonnabend zog der 49-Jährige mit seiner Kamera los, um einen Seeadler vor die Linse zu bekommen – und staunte nicht schlecht, als er plötzlich rote Beine und schwarze Flügel erspähte: Zwischen einem Weißstorch und mehreren Reihern staksten zwei Schwarzstörche auf Nahrungssuche durch einen kleinen überfluteten Tümpel zwischen Hohnstorf und Barförde – ein seltener Anblick. „Ich habe ja schon alles mögliche gesehen“, sagt Wichers. „Aber das nicht.“

Der Schwarzstorch lebt zurückgezogen und unauffällig in ausgedehnten, alten und ruhigen Wäldern, deshalb bekommt man ihn nicht oft zu Gesicht. Alfred Nottorf aus Stemmen im Landkreis Rotenburg ist seit 50 Jahren ehrenamtlicher Mitarbeiter der Staatlichen Vogelschutzwarte Hannover und kümmert sich um den kleineren Bruder des Weißstorchs. „Drei oder vier Schwarzstorchenpaare gibt es im Kreis Lüneburg“, schätzt er. „1963 war der Bestand in Niedersachsen noch überschaubar“, erinnert sich Nottorf, „da gab es nur sechs Brutpaare“. Heute seien es 50.

Gründe für die positive Entwicklung? „Die Gewässer werden nicht mehr kanalisiert, sie sind insgesamt sauberer geworden und es gibt wieder mehr Fische“, sagt der Experte. Die Störche seien bis Anfang 1900 noch als Fischräuber bejagt worden. Seit die Verfolgung aufgehört hat, erholt sich die Population. „Heute wird auch bei forstlichen Maßnahmen Rücksicht auf den Storch genommen. Früher dagegen wurden krumme und stark astige Bäume jahrzehntelang abgesägt – und damit die bevorzugten Nistplätze zerstört.“

Nottorf berichtet weiter: „Der Schwarzstorch braucht vor allem zwei Dinge: Ruhe vor dem Menschen und saubere Gewässer. Er fühlt sich an krummen, unverbauten Heidebächen besonders wohl, denn dort findet er seine Lieblingsnahrung: Forellen.“ Auch Frösche, Insekten und Mäuse stünden auf dem Speiseplan.

Schwarzstörche erbeuten ihre Nahrung meist gemessenen Schrittes am und im Wasser. Hobby-Fotograf Wichers hat sie dabei am Tümpel bei Barförde beobachtet und amüsiert sich: „Sie haben auf eine komische Art links und rechts beim Gehen gestochert, als ob sie etwas aufscheuchen wollten, und es sah so aus, als ob der Weißstorch das nachgeahmt hat.“