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Protest-Wandern bis zum Bodensee

dth Bardowick/Lüneburg. Mehr als 200 Kilometer haben Vater und Sohn bereits hinter sich, rund 900 liegen noch vor ihnen auf der Wanderung von Flensburg bis zum Bodensee. Derzeit macht Arnold Schnittger (61) mit seinem behinderten Sohn Nico (18), der im Rollstuhl sitzt, Station im Landkreis Lüneburg. Einen majestätischen Empfang auf der Etappe durch Bardowick bereiteten den beiden gestern die Amelinghausener Heidekönigin Jana George, sie begleitete die beiden ein Stück auf dem Treidelpfad Richtung Lüneburg.

„Ich habe einen ganzen Tornister voller Beweggründe, weshalb ich das hier mache“, sagt Schnittger, während er mit Nico vorweg, flankiert von Freunden und Helfern, Richtung Bardowicker Dom abbiegt und im Gehen weiterspricht. „Zum einen will ich auf die besondere Lebenssituation von alleinerziehenden Eltern mit behinderten Kindern hinweisen, zumal es mich auch selber betrifft. Ich möchte aber auch auf die allgemeine Pflegesituation hinweisen, egal ob man selbst ein Kind pflegt oder Opa und Oma. Stichwort: Armut durch Pflege. Wenn Sie nämlich wegen der Pflege eines Angehörigen Ihren Beruf nicht mehr ausüben können, geraten Sie automatisch in Hartz IV.“ Und: „Ich bin selber seit rund zwölf Jahren Hartz-IV-Empfänger und dürfte jetzt eigentlich gar nicht hier sein, muss mit Sanktionen vom Arbeitsamt rechnen, obwohl ich wegen Nico dem Arbeitsmarkt gar nicht zur Verfügung stehe.“

Nico (18) ist körperlich und geistig schwerbehindert, hat die Pflegestufe 3. Doch sein Vater will ihn nicht in ein Heim abschieben, sondern ihm mit seinem Verein „Nicos Farm e.V.“ ein lebenswertes Umfeld schaffen, gemeinsam mit anderen, die ein ähnliches Schicksal teilen. Ein Grundstück für ein neues Wohnprojekt für Alleinerziehende mit behinderten Kindern bei Seevetal hat er schon, nur das nötige Geld fehlt. Zwar habe der Verein durch Spenden und mit Unterstützung des Familienministeriums bereits ein Startkapital von 1,2 Millionen Euro, vier sollten es allerdings sein, sagt Schnittger. Deswegen hofft er durch die Wanderung von Flensburg bis zum Bodensee weitere Sponsoren zu gewinnen, oder Interessierte, die sich seinem Projekt anschließen wollen.

Unterstützt wird die WanderAktion von der Katarina Witt-Stiftung sowie von Liedermacher Konstantin Wecker als Schirmherrn, nach dessen Lied „Inwendig warm“ die Wanderaktion benannt ist. Von Winsen/Luhe bis Lüneburg hat auch Peter Sieffert von den Wanderfreunden Nordheide e.V. Schnittger und Sohn begleitet. „Ich finde das ist eine gute Sache, die man unterstützen kann. Und das Schöne an so einer Wanderung ist die Möglichkeit, sich auf dem Weg auszutauschen.“ Die nächste Gelegenheit dafür bietet sich heute ab 10 Uhr auf dem Lüneburger Marktplatz. Von dort aus geht es weiter in Richtung Böhmsholz. Gegen 15.30 Uhr ist die Ankunft beim Jugendzentrum Soderstorf geplant.