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Öko-Hof in Schwierigkeiten

ca Glüsingen. Der Hof Koch in Glüsingen gehörte in der Region zu den ersten, die auf ökologischen Landbau setzten, und genießt einen guten Ruf. Nun sind Marten Koch und seine Familie in Schwierigkeiten geraten: Gegen den Betrieb läuft ein Insolvenzverfahren. Doch der Chef und seine Crew gehen nach ersten Gesprächen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter davon aus, die Krise bewältigen und mit neuem Konzept durchstarten zu können. „Wir machen weiter und fahren wie gewohnt die Märkte in Lüneburg und Hamburg an“, sagt Koch. Natürlich werde die gewohnte Qualität geliefert. Zwei Krankenkassen haben den Insolvenzantrag gestellt, wegen einer relativ geringen Summe.

Für die finanziellen Probleme sieht Koch mehrere Ursachen. Die aktuelle: Durch den langen Winter dauere es länger, bis Feldfrüchte erntereif waren und sind. „Wir hängen vier bis sechs Wochen hinterher“, erklärt der 49-Jährige. Das heiße auch, der Verkauf eigener Ware beginne später, und so fließen auch die Einnahmen später. Aber der Hof hat im Wortsinne zudem an Erblasten zu tragen.

„Mein Vater, der 1972 mit der Öko-Landwirtschaft angefangen hat, stand mit Buchführung und Bürokratie auf Kriegsfuß“, sagt der Landwirt. Um das Thema Steuern habe er sich nicht ausreichend gekümmert. Als das Finanzamt Ende der 90er-Jahre die Bücher prüfte, monierte die Behörde Unregelmäßigkeiten – Kochs mussten eine Summe im sechsstelligen Bereich nachzahlen. Der Abtrag drückte lange. Dazu kam, dass schließlich auch Handelsmarktketten auf Bio setzten und viele Verbraucher – statt beim aufwendig produzierenden Öko-Bauern zu kaufen – nun in Supermärkten zugriffen, die oft geringere Standards ansetzen, aber dafür zumeist günstiger sind. Familie Koch und ihre 18 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit hatten es bislang trotzdem geschafft, sich mit ihrer Ware zu behaupten. Sie stehen auf Märkten in Lüneburg sowie in Hamburg-Neugraben, am Haller Platz und an der Isestraße.

Koch ist sich sicher, dass er seine 50 Hektar Ackerland und 20 Hektar Wald auch künftig gut bewirtschaften kann, obwohl er bei Glüsingen/Betzendorf mit harten Bedingungen zu kämpfen habe: Durch die Hügellage sei es etwas kühler, der Boden sei schwer und trocken, weil das Grundwasser mit 30 Metern recht tief liege. An anderen Stellen im Kreis stoßen Bauern nach einem halben Meter auf Grundwasser.

Koch sieht die Krise als Chance. Mit dem Insolvenzverwalter will er Strukturen neu ausrichten und den Betrieb effizienter organisieren. In alten Dokumenten finde der Hof im 13. Jahrhundert seine erste Erwähnung, die Tradition werde die Familie fortsetzen. Denn auch sein Sohn wolle als Bauer leben, im kommenden Jahr lege der seine Meisterprüfung ab. Das klingt nach Zukunft.