Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Grüne empfehlen SPD-Kandidatin

ca Lüneburg. Im zweiten Anlauf hat es geklappt, die Grünen wollen ihren Wählern die Empfehlung für ein Stimmensplitting bei der Bundestagswahl geben: Die Wähler sollen ihr erstes Kreuzchen bei SPD-Direktkandidatin Hiltrud Lotze machen, das zweite bei den Grünen. Im Gegenzug empfehlen die Sozialdemokraten ihren Anhängern das gleiche Stimmverhalten. Die Hoffnung: Die Region bekommt auf diesem Weg zwei Abgeordnete in den Bundestag. Die Grüne Julia Verlinden steht auf Platz 3 der Landesliste ihrer Partei und hat ihr Mandat so relativ sicher. Hiltrud Lotze soll mit rot-grünem Rückenwind den CDU-Herausforderer und jetzigen Bundestagsabgeordneten Eckhard Pols hinter sich lassen.

Es war ein Weg mit Hindernissen, bis sich die Grünen im Parteibüro an der Neuen Sülze auf diese Strategie geeinigt hatten. Im Juni hatte die Kreismitgliederversammlung über das Konzept schon mal abgestimmt, da war es bei drei Enthaltungen mit zehn zu acht Stimmen durchgerasselt. Das schmeckte manchem Grünen nicht, die in Stadt und Kreis mit der SPD in den Kommunalparlamenten zusammenarbeiten. Also beantragten Ariane Mahlke-Voß und Ernst Bögershausen, das Thema erneut auf die Tagesordnung zu setzen. Am Mittwochabend waren zunächst 42 Mitglieder anwesend, fünf tröpfelten verspätet hinterher. Vorstandssprecher Detlef Schulz-Hendel freute sich über die hohe Beteiligung, sprach von „basisdemokratischem Verhalten“, die Frage erneut zu debattieren.

Im Prinzip gab es zwei Lager. Jörg-Albrecht Koch aus Amelinghausen erklärte: Man habe bereits abgestimmt. Wer damals nicht gekommen sei, habe seine Chance verpasst: „Wir können nicht so lange abstimmen, bis das Ergebnis passt.“ Peter Bollmann sagte, es möge „taktisch richtig“ sein, mit der SPD zu agieren, doch nun erneut abzustimmen, sei „gefühlt unehrenhaft – Leute, bleibt geradlinig“. Allerdings spreche nichts gegen eine Zusammenarbeit mit der SPD, etwa bei gemeinsamen Veranstaltungen.

Die andere Seite plädierte wie Ariane Mahlke-Voß für die enge Zusammenarbeit: „Wir haben nichts zu verlieren.“ Gerade die Zweitstimme entscheide über die Fraktionsstärke. Auch der Lüneburger Wolfram Plener plädierte für diesen Weg: Der alte Beschluss „gibt nicht die Stimmung in der Partei wieder“.

Zwar war die Debatte weitgehend sachlich, aber die angespannte Situation zwischen einigen Grünen war fast mit den Händen zu greifen. Sie begrüßten sich nicht, drehten sich zum Teil sogar voneinander ab. In einem Fall war die Abneigung mehr als deutlich. Sie machte sich an Axel Bloch fest. Der Betzendorfer glaubt, mit einer Empfehlung „verkaufe ich den Wähler für dumm. Kann sein, dass wir Lotze stärken, und wenn es nicht reicht für Rot-Grün, kommt am Ende die große Koalition.“ Als er später eine geheime Abstimmung forderte, zischte es aus der Ecke der Stadt-Grünen: „Herr, lass‘ Hirn vom Himmel regnen und es Axel Bloch treffen.“

Am Ende wurde offen die Hand gehoben: 26 sprachen sich für eine Empfehlung zum Stimmensplitting aus, 14 dagegen, fünf enthielten sich. Dieses Ergebnis soll nun Bestand haben, allerdings möchte Schulz-Hendel Lehren daraus ziehen, dass oft nur wenige zu Versammlungen kommen. Er regt an, bei wichtigen Themen auf Kreisebene einen schriftlichen Mitgliederentscheid einzuführen. Allerdings müsse man noch klären, was wichtig ist. Aber: „Ich habe die Angst, dass dann keiner mehr zu Mitgliederversammlungen kommt.“