Aktuell
Home | Lokales | Schlechte Aussichten für den Kovahler Turm
3464740.jpg

Schlechte Aussichten für den Kovahler Turm

pet Nahrendorf. Hunderte Gäste waren es, die Anfang der 1970er-Jahre an Wochenenden zum Turm auf dem Kovahler Berg pilgerten, aus 103 Metern Höhe über dem Meeresspiegel den freien Blick über die Elbe und über die Göhrde genossen, vor oder nach dem Aufstieg über knapp 80 Stufen zu Kaffee und Kuchen im nahegelegenen Gasthaus ,,Waldschlösschen“ der Familie Waack einkehrten. Diese Zeiten sind längst vorüber — und jetzt kommt sogar das endgültige Aus für den 15 Meter hohen hölzernen Turm auf dem 88 Meter hohen Berg: In seiner jüngsten Sitzung beschloss der Rat der Gemeinde Nahrendorf einstimmig den Abriss.

Die Geschichte des Kovahler Turms ist lang — schon 1910 gab der damalige Landrat des Kreises Bleckede dem Kovahler Bürgermeister Heinrich Steckelberg den Rat, auf dem Kovahler Berg einen Aussichtsturm zu errichten — aber es gab ein Hindernis: Auf dem Gipfel, so heißt es, gab es eine ,,Liebeslaube“, Pärchen wussten den verschwiegenen Ort durchaus zu schätzen, die Obrigkeit wollte ihnen diesen dann auch nicht wegnehmen.

So dauerte es 60 Jahre, bis es zum Turmbau wirklich kam. Die Gemeinde wollte etwas von dem immer größer werdenden Tourismuskuchen abhaben. Gastwirt Harry Waack ergriff die Initiative, er sagte damals: ,,Wir müssen für den Fremdenverkehr Attraktionen schaffen. Eine davon ist der Aussichtsturm.“

Heute, mehr als 40 Jahre später, ist Uwe Meyer Bürgermeister der Gemeinde Nahrendorf, die für den Turm zuständig ist — und in dieser Funktion hatte er den Punkt 10 der jüngsten Gemeinderatssitzung aufzurufen: ,,Rückbau Kovahler Turm“. Schon vor zweieinhalb Jahren, berichtete er, habe der Landkreis Lüneburg den Turm einmal auf seine Standfestigkeit untersucht, die Öffnung sei danach nur noch ,,geduldet“ gewesen. Nach einer weiteren Untersuchung sei die weitere Nutzung des Kovahler Turms in diesem Mai dann strikt untersagt worden.

,,Traurig“ sei es, dass der in weitem Umkreis bekannte Turm abgerissen werden muss — da waren sich alle Ratsmitglieder einig. Ebenso einig waren sich sich, dass es keine Alternative gibt: Rundum seien die Bäume mittlerweile höher als der Turm — von Fernsicht könne keine Rede mehr sein. Ein neuer, mindestens fünf Meter höherer Turm, berichtete Bürgermeister Meyer, sei für weniger als 100000 Euro nicht zu haben, ,,und das gibt der Tourismus nicht her“. Auch eine Reparatur des jetzigen Turms bringe nichts, ,,weil man ja nicht über die Bäume hinweg gucken kann“.

Mehr zum Thema lesen Sie in der Wochenendausgabe der LZ.