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Einmal ganz allein um die Welt

lkö Lüneburg. 8,5 Tonnen schwer, weißer Rumpf, große Segel — das ist Berenike Steigers ganzer Stolz. Ihre Segelyacht „Karl“ liegt in einem Hafen in Panama und wartet. Darauf, mit ihr um die Welt zu segeln. Das ist zumindest der Plan. Die 32-Jährige ist sich noch nicht ganz sicher, wie lange die Reise dauern wird: „Es kann alles werden, zwischen drei Monaten und drei Jahren. Je nachdem, wie ich mit allem klar komme und ob das Geld reicht.“ Sie wolle keine Rekorde aufstellen, niemandem was beweisen. „Mir geht es viel mehr um die Freiheit, das Meer, die Zeit. Außerdem finde ich es spannend, mein Leben auf elf Meter Boot zu reduzieren.“

Ihre Route führt die junge Frau, die in Lüneburg geboren wurde und aufgewachsen ist, zunächst durch den Panamakanal entlang der südamerikanischen Küste und dann über die Osterinseln in den Südpazifik. Besonders freue sie sich auf die chilenischen Fjorde: „Das wird wirklich anspruchsvoll, mit den ganzen Strömungen und Fallwinden, aber bestimmt auch wunderschön.“

Drei Wochen ganz allein auf See, das wird für Berenike Steiger, die zuletzt fünf Jahre in der Millionenmetropole Hamburg wohnte, sicher ungewohnt. Angst vor der Einsamkeit habe sie aber nicht. „Ich bin schon viel alleine gereist und genieße das.“Respekthabesieaus einem anderen Grund vor den langen Segeletappen: „Ich schlafe einfach gerne, aber dann werde ich wohl im Cockpit schlafen müssen und mir immer einen Wecker stellen, um immer wieder Ausschau zu halten und den Kurs zu überprüfen. Das wird eine große Herausforderung.“ Auf dem Boot hat sie auch eine Koje, in der sie sich ab und an ausruhen kann. Außerdem gibt es einen Gaskocher und einen Kühlschrank. Strom kommt aus Batterien, die von Lichtmaschine, Windgenerator oder Solarpanel angetrieben werden.

Natürlich wird sie nicht nur allein sein. Freunde wollen sie besuchen, sicher werden auch Reisebekanntschaften sie ein Stück begleiten: „Das machen viele: Per Anhalter mitsegeln.“ Sie freue sich schon auf die vielen unterschiedlichen Geschichten der Mitreisenden.

Ihren Job als Marketingleiterin eines mittelständischen Unternehmens in Hamburg hat sie bereits gekündigt. Es kann also bald losgehen. Ende August fliegt sie nach Panama, um ihr Boot fit zu machen. Schließlich lag es fünf Jahre im Hafen und sei in einem „überholungswürdigen Zustand“. Berenike Steiger versucht, alles selbst zu reparieren, schließlich sei auf hoher See auch niemand, der ihr helfen könne. Einhandsegler nennt man Menschen, die alleine segeln. Sie müssen auf dem Boot eine ganze Mannschaft ersetzen. Berenike Steiger ist Köchin, Kapitänin, Matrosin, Funkerin, Ärztin und Mechanikerin in einer Person. Zur Vorbereitung hat sie Kurse und Seminare besucht, zudem Unmengen an Büchern verschlungen.

Es warten viele Herausforderungen auf sie und ,,Karl“. ,,Ich habe eine Menge Respekt vor dem Meer und den Naturgewalten, klar ist mir manchmal auch ein wenig mulmig zumute, wenn ich daran denke“, gibt die 32-Jährige zu. ,,Aber ich bin zuversichtlich, dass alles gutgehen wird. Jetzt oder nie.“ Wer Berenike Steigers Segelabenteuer verfolgen möchte, klickt auf ihre Facebook-Seite: www.facebook.com/whitespotpirates

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