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Wunderheiler und andere Gaukler

sel Bleckede. Elixiere für Vergessliche, Tinkturen für Kurzsichtige oder Stimulanzien für die Hochzeitsnacht bot Weinhändler Markus Seitz am Wochenende im Bleckeder Schlossgarten feil. Seine Spirituosen scheinen geradezu heilsam zu wirken – Alkohol hat offensichtlich auch seine guten Seiten, jedenfalls lässt er sich dann besser verkaufen. „Menschen wussten schon immer, wie sie Alkohol herstellen konnten“, erzählte Seitz. „Wenn es an Ort und Stelle keinen Wein gab, nahmen sie etwas Anderes.“ Den Honigwein Met etwa kannten bereits die alten Ägypter, auch wenn er bis heute als klassisches germanisches Getränk gilt.

Mit der Heilung von Krankheiten kannten sich im Mittelalter auch Barbiere aus -zumindest boten sie ihre Fähigkeiten auf Märkten an und behandelten die Menschen auf offener Straße. In Bleckede zeigte Barbier Rod á Trottoir, dass er das Zeug zum Wunderheiler hat. Mit einer riesigen, antiquierten, eisernen Zange befreite er Johannes von seinen Schmerzen, indem er ihm unter großer körperlicher Anstrengung einen Zahn zog. Im Nu waren die Zahnschmerzen verflogen und Johannes kuriert. Ob bei dieser Wunderheilung Gaukelei mit im Spiel war – ganz auszuschließen ist es nicht.

Aber auch handfeste Handwerke präsentierten sich beim 15. mittelalterlichen Burgfest in Bleckede: Besenbinder und Korbflechter, Filzer und Seiler, Schneider und Schmied, sogar „Spezereyen des Orients“ gab es zu erstehen.

Lederbeutel, Tonbecher, Schwerter und Schilder, Geschmeide und Gewänder wurden angepriesen. Für Unterhaltung durch Tanz und Musik, Jonglage und Mumpitz und jede Menge Gaukelei im Schlosshof und Schlossgarten sorgte „Fogelvrei“.

Vor allem die jüngeren Besucher versuchten sich an den Ständen und Zelten im Handwerk längst vergangener Tage. Die elfjährige Stina Ravens kurbelte sich am Seilerrad in der Seilerei von Nadine Köhler ein eigenes Springseil. Dazu wurden zwölf Handfäden aus Hanf und zwei Zierfäden in modernen Knallfarben angebracht. Nach nur wenigen Minuten hielt Stina ihr ganz persönliches und sehr stabiles Springseil in den Händen. „Das Seilerrad ist 210 Jahre alt. Ein Bauer wollte es wegschmeißen, als ich es entdeckte“, berichtet Nadine Köhler. Währenddessen sorgte im Schlosshof ein musikalisches Duo mit Trompete, Schellen und Dudelsack für Unterhaltung. Die beiden Gaukler kannten sich zudem bestens aus mit der Bleckeder Geschichte, wussten von einem Ritter Bruns zu berichten, der einst im Schloss gewohnt und seine Gegner mit einer ganz speziellen Waffe bezwungen habe. „Der Ritter Bruns bringt mit einem Furz den Gegner zu Sturz.“

Und eben wegen dieser seiner besonderen Winde stehe heute am Schlossgraben, so die Legende, eine Linde.