Donnerstag , 29. September 2016
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Härtetest auf dem Stoppelfeld

rov Wittorf. Vor ein paar Stunden saß er noch eingeengt im Flieger aus Peking. Nun hockt er seit mehreren Stunden mit angezogenen Knien auf einem Mofa und dreht seine Runden über die holprige Rennstrecke. „Was besseres gibt es gar nicht“, schwärmt Lars aus Vögelsen. Er ist mit seinem Team „Roxy 19“ zum vierten Mal beim Sechs-Stunden-Mofarennen in Wittorf dabei. Gesine, Imke und Arne gehören mit zum Rennstall. „Für das Outfit gehen wir jedes Jahr extra shoppen“, erzählt Gesine, während sie sich einen Bart angeklebt. Man könnte meinen, die vier wären frisch vom Schlagermove auf das Stoppelfeld gekommen.

Dabei sind sie nicht die einzigen, die sich ein Sofa mit in die Boxengasse gestellt haben. Viele haben einen Grill dabei, MP3-Spieler sorgen für gute Musik – Volksfestcharakter auf der Fläche um die Rennstrecke.

43 Teams sind beim Rennen am Sonnabend, 10. August, gegeneinander angetreten. Bis zu vier Fahrer sind pro Mannschaft zugelassen, wer am Ende am meisten Runden geschafft hat, hat gewonnen. Gut 800 Meter ist die Strecke lang, sehr kurvig und es gibt nur einen kleinen Sprunghügel. „Damit die Originalen auch rüberkommen“, erklärt Torge Schmeling vom ausrichtenden Wittorfer-Astra-Club.

Es gibt zwei Kategorien, die Originalen und die Spezial-Klasse. Hauptunterschied: Bei den Originalen muss alles möglichst original sein, in der Spezialklasse werden die Mofamotoren oft in größere Crossmaschinen eingebaut. Bei allen Kreidlers, Puchs und Zündapps gilt das Tempolimit 50 km/h und – vor allem müssen die Mofapedale dran bleiben.

„Da muss man gut aufpassen, dass die Pedale beim in die Kurve legen nicht auf dem Boden schleifen“, erklärt Marco Pasenow mit der Rennnummer 666. Der Lüneburger ist – wie viele andere hier – Automechaniker von Beruf. Es kommt vor allem auf Haltbarkeit an, erklärt er. „Da gehen viele Abende und viele Wochenenden für die Rennmaschine drauf“.

Und Heiko Wegener aus Wittorf erklärt, dass es mittlerweile immer schwieriger wird, Ersatzteile für Zweitakter zu bekommen. Der Landwirt stellt für das Rennen immer eines seiner Felder zur Verfügung und ist beim Rennen selbst Teamleiter für Sohn Sven und dessen Freunde Lars und Tim. Gut 600 Euro ist so ein Rennmotor wert und in diesem Jahr hat sich die Mühe bezahlt gemacht, denn „Piwa-Racing“ hat in der Spezialklasse den Titel geholt. 171 Runden ging es über den Acker. „Nach fünf Jahren haben wir es nun endlich ganz oben aufs Treppchen geschafft. Was will man mehr“, freut sich Wegener.

„Herkules RS Team 1“ hat bei den Originalen gewonnen – interessanterweise fuhr das Team aus Adendorf drei Runden mehr als die Sieger in der Spezialklasse. Die Originalen seien eben insgesamt leichter als die speziell umgebauten, erklärt Schmeling vom Wittorfer-Astra-Club. Nach dem Rennen feierten alle bis spät in die Nacht auf dem Stoppelfeld mit vielen der Zuschauer.

Einziger Wermutstropfen des Renntags: Der Rettungshubschrauber musste einen gestürzten Fahrer ins Krankenhaus bringen. Zum Glück hatte er sich „nur“ die Schulter ausgekugelt, so dass er noch am Abend entlassen werden konnte. Durch