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Lauter Augenweiden

ca Lüneburg. Manches, was da stolz an den Zuschauern vorbeirollt, war einmal reif für den Schrottplatz, weiß Hanno Huijssen. Der Vorsitzende des ADAC-Ortsclubs kennt Liebhaber, die viel, viel Zeit und Geld in Wracks investiert haben, um deren alte Schönheit wieder erstrahlen zu lassen: „Manche Autos haben einen Wert im sechs- und siebenstelligen Bereich.“ Jedenfalls sind sie wunderschön anzuschauen – der Aufwand hat sich aus Sicht von Tausenden Autofans gelohnt. Sie standen an den Straßen, um edles Blech zu bestaunen. 68 Teams drehten gestern in Oldtimern bei dem von Rolf Moormann organisierten Spektakel ihre Runden durch die Stadt.

Gerd und Barbara Bastian starteten in einem Traum, nämlich in einem Mercedes-Flügeltürer 300 SL, der 1955 gebaut wurde. Das Auto, wohl behütet, kommt nur bei Veranstaltungen auf die Straße: „Wir sind schon bei Rallyes in Italien gestartet.“ Auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge fuhr mit im rollenden Museum. Er sitzt neben Benjamin Bertram-Pfister aus Pfaffenhofen. Das Ein- und Aussteigen fällt dem OB nach einer Rückenoperation nicht ganz so leicht. Doch für die Fahrt in einem Porsche 356 B aus dem Baujahr 1962 kann man das Zwicken schon vergessen.

Doch nicht nur Autos zogen Blicke auf sich. Das Programm bot artistische Leistungen vom Feinsten auf zwei Rädern: Trial-Radfahrer und -Motorradfahrer zeigten Atemraubendes. Auf dem Marienplatz saß Jan Niggemann auf seiner Maschine, sprang Treppen und Hindernisse aus Baumstämmen empor, balancierte auf einem Balken. „Trial fahre ich, seitdem ich 19 bin“, sagt der 41-Jährige. „Geschicklichkeitsfahren“ nennt er die zirkusreifen Kunststücke, bei denen der Fahrer nicht mit den Füßen aufsetzen darf.

Ähnlich akrobatisch ging es auf der Bäckerstraße zu: Gero Kressel und seine Freunde zeigten, was man als Normalmensch alles nicht mit dem Rad machen sollte: Der 17-jährige, der mit fünf Jahren die besondere Art des Radelns entdeckte, schwingt sich mit dem Velo auf Paletten, springt einen Meter von Hindernis zu Hindernis. Applaus, Applaus – und den haben sich die tollkühnen Jungs mit und ohne Motor reichlich verdient.