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Scooby will andere Katzenleben retten

rast Lüneburg. Scooby guckt neugierig, auch ein wenig verunsichert durch die Gitter seiner Tragebox, ist aber ganz ruhig und lieb, als ihn Dr. med. vet. Pia Rittmann in der Tierklinik Lüneburg an der Stadtkoppel herausnimmt und ihn auf den Untersuchungstisch setzt. Problemlos lässt er den Gesundheitscheck über sich ergehen, lässt sich mit dem Stethoskop abhorchen, seine Temperatur messen, Dr. Rittmann: „Herz, Lunge – alles prima. Und mit seinen 7,2 Kilogramm ist er der ideale Spender.“ Und dann kommt der kleine Piekser, der Scooby nun überhaupt nicht gefällt, ein kurzes Jaulen ist zu hören, als die Tierärztin ihm in ein Bein sticht und etwas Blut entnimmt. Danach wird die Blutgruppe bestimmt und Scooby in die Spenderdatei der Tierklinik aufgenommen – und kann so vielleicht das Leben einer anderen Katze retten.

Katrin Barth hatte in der LZ die Anzeige der Tierklinik gesehen: „Hunde! Katzen! Aufgepasst! Diese Anzeige ist für Euch! Helft uns, das Leben unserer Freunde zu retten! Werdet Blutspender!“ Das Frauchen der zwei Jahre alten Maine-Coon-Katze Scooby überlegte nicht lange: „Das ist eine gute Sache. Auch meiner Katze könnte ja mal was passieren, sie wäre dann vielleicht auch auf eine Blutspende angewiesen.“ So machte sie sich am Sonnabend von Amelinghausen aus auf den Weg nach Lüneburg zur Typisierungs-Aktion, an der drei weitere Katzenhalter und sechs Hundebesitzer teilnahmen – die Aktion war kostenlos, gratis auch der Gesundheitscheck. Sie stockten die Spenderdatei auf fast 50 Tiere auf. Dr. med. vet. Dirk Remien weiß, dass seine Tierklinik eine der ganz wenigen in Deutschland ist, die eine solche Datei aufbauen: „Darin sind die Namen von Tierbesitzern, die wir im Notfall schnell anrufen können.“

Wie beim Menschen ist bei einer schwerwiegenden Erkrankung auch bei Hund und Katze eine zeitnahe Bluttransfusion die letzte und oft auch die einzige lebensrettende Maßnahme. Starke Blutverluste nach Unfällen, Blutgerinnungsstörungen, Vergiftungen oder auch der Abbau des Blutes durch Infektionen machen eine Übertragung von Fremdblut notwendig. Dr. Pia Rittmann erklärt: „Beim Hund gibt es 16 verschiedene Blutgruppen, bezeichnet mit der Abkürzung DEA. Bei der Katze gibt es wie beim Menschen das AB-System mit den Blutgruppen A, B und AB, wobei die Blutgruppe A am häufigsten auftritt. Hund und Katze können für jede Blutgruppe positiv oder negativ sein.“

Wie beim Menschen auch gibt es Regeln für die tierischen Spender, vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sind Leitlinien zur Gewinnung, Lagerung, zum Transport und zur Verabreichung von Blut und Blutprodukten festgelegt worden. Dr. Pia Rittmann nennt die Voraussetzungen: „Als Spender kommen ruhige, gesunde und ausgewachsene Hunde bis zu einem Alter von acht Jahren und mit einem Mindestgewicht von 25 Kilogramm infrage. Sie müssen regelmäßig geimpft und entwurmt sein und dürfen bisher selbst keine Bluttransfusion bekommen haben. Auslandsaufenthalte sollten bei den Hunden nicht vorliegen, da die Gefahr von übertragbaren Infektionskrankheiten besteht.“ Die Katzen sollten ausgewachsen und gesund sein, mehr als vier Kilo wiegen und keinen Freigang haben. Auch sie sollten regelmäßig geimpft und entwurmt sein: „Bei freilaufenden Katzen kann die Transfusion wie beim Hund mit einer Übertragung bestimmter Krankheiten verbunden sein, deshalb kommen sie als Spender nicht in Betracht.“

Im Gegensatz zum Menschenblut ist das Tierblut nicht über einen längeren Zeitraum haltbar, Vollblutkonserven sind nur etwa drei Wochen gekühlt lagerungsfähig. Hunde können laut den Veterinären drei- bis viermal im Jahr, Katzen zweimal zur Blutspende gehen. Laut Dr. Dirk Remien brauchen Frauchen und Herrchen nicht bis zum nächsten Blutspende-Aktionstag zu warten: „Interessierte können sich für Blutspenden jederzeit bei uns in der Tierklinik melden.“ Vielleicht wird ja auch Scooby wiederkommen – der kleine Piekser war schnell vergessen, als es zur Belohnung das Tütchen mit den Leckerlies gab.