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Waren Lebensretter zu teuer?

ca Lüneburg. Die Feuerwehrleute retteten ein Leben, doch waren in der Neujahrsnacht 2012 nicht zu viele Helfer im Einsatz? Die Frage hat die Anwältin eines 31-Jährigen so umgetrieben, dass sie vor das Verwaltunsgericht zog. Ziel: Die Rechnung, die ihr Mandant im Nachhinein von der Samtgemeinde Hanstedt und dem Landkreis Harburg erhalten hatte, solle reduziert werden. Dabei verkenne sie nicht das Engagement der Ehrenamtlichen, doch die Behörden sollten sich kulant zeigen, denn ihr Mandant habe nur ein geringes Einkommen von tausend Euro pro Monat: „Wäre er Hartz IV-Empfänger, müsste er nichts zahlen.“ Die Vertreter der Kommunen wiesen das Ansinnen zurück, über eine Stundung und Ratenzahlung könne man sprechen. Das Urteil wird erst kommende Woche verkündet.

Der Verlauf des Unfalls ist unstrittig. Der Koch, der laut Gericht knapp 2,4 Promille intus hatte, war in der Neujahrsnacht gegen 4 Uhr mit seinem VW-Golf von der Straße geschleudert, er schlitterte durch zwei Vorgärten, bis er schließlich gegen eine Hauswand krachte und diese eindrückte. Der Mann war bewusstlos und schwebte in Lebensgefahr, die Feuerwehr befreite den Verletzten binnen einer Viertelstunde aus dem Wrack, er kam ins Klinikum nach Lüneburg.

Im Einsatz waren die Feuerwehr Salzhausen sowie ihre Kollegen aus Lübberstedt und Egestorf. Die Rechnung aus Salzhausen hat das Unfallopfer beglichen. Doch nach einem Gespräch mit seiner Anwältin wollte er die Kosten von 200 Euro, die der Landkreis für einen Rüstwagen und die Samtgemeinde Hanstedt für ihre 15 Einsatzkräfte in Höhe von 574,13 Euro aufmachte, nicht begleichen.

Alles in allem seien zwei Dutzend Feuerwehrleute dagewesen und Polizei, argumentierte die Anwältin. Ob man so viele brauche, um die Straße zu sperren, den Mann zu befreien und das Haus abzustützen? Hätten sie nicht früher gehen können? Egestorfs Ortsbrandmeister Heiko Witte sagte: „Ich habe mich gefreut, am Neujahrsmorgen so viele Kameraden vor Ort zu haben.“ Die hätten nicht herumgestanden, sondern angepackt und seien froh gewesen, als sie nach eineinhalb Stunden abrücken und ins Bett konnten. Angerückt seien er und seine Mitstreiter mit drei Fahrzeugen, der Standardbesatzung bei einem Unfall mit eingeklemmter Person. Die brauche man für Gerätschaften, um die Einsatzstelle ausleuchten zu können und auch, um das in Mitleidenschaft gezogene Wohnhaus abzustützen. Zuvor hätten die Männer Möbel zur Seite geschleppt.

Die Richterin machte einen Vorschlag zur Güte. Laut Brandschutzgesetz dürfen Gemeinden für eine Lebensrettung keine Kosten geltend machen. Also könnte die Hilfszeit für fünf Feuerwehrleute, die den in Lebensgefahr schwebenden Mann aus dem Auto befreit haben, anteilig herausgerechnet werden, gleiches gelte für den Rüstwagen. Das wären 65 Euro weniger als veranschlagt. Die Lebensgefährtin des Unfallfahrers, der selber nicht anwesend war, war empört: „Das Volksfest hier hätten wir uns sparen können.“ Der Anwältin gefiel der Vergleich nicht, sie sah den „Sozialstaat“ gefordert. Die Richterin entgegnete der Juristin: „Sie sind ein bisschen dabei, den Bogen zu überspannen.“

Das fanden auch Ortsbrandmeister Witte und Samtgemeindebürgermeister Olaf Muus. Doch wenn die Anwältin, die mehrfach erwähnte, dass ihr Klient eine Rechtsschutzversicherung besitzt, in die nächste Instanz ziehen wolle, werde man sich nicht um die im Raum stehenden 70 Euro streiten: „Alles andere würde viel teurer.“