Dienstag , 27. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Nicht vermisst und doch gefragt
3478435.jpg

Nicht vermisst und doch gefragt

jae Lüneburg. Wenn Stefan Jahnkes Hand nach unten schnellt, ist es wie ein Hammerschlag für die Bietenden bei der Fundsachenversteigerung des Lüneburger Fundbüros. „15 Euro, höre ich 16?“, ruft er über den Hinterhof des Bürgeramtes an der Bardowicker Straße. Insgesamt 167 Fahrräder, ein Motorroller, Modeschmuck und unzählige Regenschirme fanden gestern Nachmittag neue Besitzer. Auch die 18-jährige Sofia hat zugeschlagen: „Bei fünf Euro konnte ich nicht anders“, sagt sie und hält ihr „Schmuckstück“, ein klappriges Damenrad, fest. Besonders die Farbe habe ihr gefallen, und dass es breite Reifen und ein Körbchen habe.

Einsame Fahrräder wie das von Sofia werden überall im Stadtgebiet gefunden. „Neulich hatten wir einen Fund, da mussten wir die AGL anrufen, das Fahrrad hing an einer Laterne“, erinnert sich die Leiterin des Bürgeramtes, Susanne Twesten. Ein halbes Jahr lang werden die Fundstücke aufbewahrt, so lange hat der rechtmäßige Besitzer Zeit, sich zu melden, bevor sie unter den Hammer kommen. Kurz vor der Versteigerung rufen die Mitarbeiter des Fundbüros noch einmal öffentlich dazu auf, Verlorenes abzuholen. Meldet sich niemand, gehen die Artikel in die Versteigerung.

„Wer gibt denn so was ab?“ raunt es durch die Menge der Bietenden, als Stefan Jahnke einen 50-Euro-Parfüm-Gutschein in die Höhe hält. Dabei gehört der Gutschein nicht mal zu den skurrilsten Fundsachen. Vom Zahnersatz über das Frühstück von Vorgestern bis hin zu einem Rucksack voller Babywindeln, haben die Mitarbeiter des Fundbüros schon so einiges gesehen. „Solche Dinge werden dann natürlich von uns entsorgt“, sagt Susanne Twesten. Sie verweist auch auf einen Trend: In den vergangenen Jahren seien immer mehr Fahrräder im Fundbüro abgegeben worden. Das ärgert die Leiterin des Bürgeramtes: „Wir fragen uns einfach, ob es so viele Leute gibt, die ihre Fahrräder nicht vermissen.“ Manches Mal landen dann auch viel wertvollere Gegenstände im Fundbüro, zum Beispiel Goldschmuck. „Den geben wir dann nach Ablauf der sechs Monate zur Vewertung“, sagt Twesten.

Verwerten will auch Sofia ihr neues altes Fahrrad. „Wir werden es wohl aufpeppen, es lebendig machen, damit man damit wieder fahren kann“, sagt sie. Die Stadt Lüneburg ist am Ende der Veranstaltung sehr zufrieden: Die Versteigerung hat knapp 3800 Euro in die Kasse gespült.