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600 Wohnungen verkauft

ca Lüneburg. Es hatte sich schon länger abgezeichnet, nun ist es beschlossene Sache: 600 Wohnungen zwischen Klinikum und Salzmuseum haben neue Eigentümer. Zwei Unternehmen haben den Komplex von einem holländischen Pensionsfonds gekauft. Das bestätigt Thomas Settelmayer, Prokurist der Deutschen Invest Immobilien GmbH (dii) in Wiesbaden, die 270 Wohnungen Hinter der Saline 13 bis 21 und Am Weißen Turm 8 bis 20 sowie den Kindergarten erworben hat. Zum Preis wollte Settelmayer keine Stellung nehmen. Er betonte aber, dass auf die Bewohner zunächst keine Mieterhöhungen zukommen sollen. Bei Neuvermietungen werde sich das Unternehmen allerdings am „marktüblichen“ Niveau orientieren.

Bei den Käufern der restlichen Gebäude soll es sich um Geschäftsleute aus Seevetal handeln. Alles in allem soll die gesamte Anlage für 38 Millionen Euro den Besitzer gewechselt haben, eine Bestätigung war dafür aber nicht zu erhalten.

Die Stadt verfügt bei solchen Immobiliengeschäften über ein Vorkaufsrecht, das sie aber in diesem Fall nicht wahrnehmen wollte. Aus dem Rathaus heißt es, ein zweistelliger Millionenbetrag übersteige die Möglichkeiten der Stadt. Oberbürgermeister Ulrich Mädge will die neuen Besitzer zum Gespräch einladen. Er sagt: „Unsere Linie, den Mietern vor Ort den Rücken zu stärken, das bauaufsichtsrechtliche Instrumentarium zu nutzen und die Öffentlichkeit einzubeziehen, hat sich als richtig erwiesen. Diese Linie werden wir auch mit neuen Eigentümern weiterverfolgen. Das Augenmerk liegt weiter auf Sicherheit, Fahrstühlen, Dach, Fenstern und energetischer Sanierung. Unsere Botschaft ist eindeutig: Tut etwas, investiert etwas und zieht nicht nur die Miete aus den Häusern!“

Settelmayer beschreibt sein Unternehmen dii als „langfristigen Bestandsentwickler“. Die vor sieben Jahren gegründete Gesellschaft besitze aktuell rund 5000 Wohnungen in Nord- und Westdeutschland mit einem Wert von 260 Millionen Euro. „Wir planen keine Luxussanierungen“, sagt der Manager. Doch mit Blick auf Energieeinsparungen würden sich Fachleute Dächer, Fenster und Fassaden anschauen. Nach Eindruck der dii sei die Grundsubstanz der zwischen 1983 und 1985 errichteten Gebäude gut: „Wir haben nichts vorgefunden, was für einen größeren Instandhaltungsstau spricht.“

Allerdings hatten sich immer wieder Mieter aus dem Komplex bei der LZ gemeldet, etwa weil Fahrstühle über Monate ausgefallen waren. Erst nachdem die Stadt ein Bußgeld angedroht hatte, rückten Monteure an. Auch über Schimmel, kaputte Zugangstüren, verzögerte Reparaturen, defekte Heizungen und umstrittene Nebenkostenabrechnungen klagten Bewohner. Das Amtsgericht führt laut eigenen Angaben pro Jahr durchschnittlich mehr als 20 Verfahren, die mit der Wohnanlage zusammenhängen. Die Stadt erklärt aktuell, dass ihre Auflagen in Sachen Fahrstühle und maroder Balkongeländer nun erfüllt wurden.

Im Fokus der Kritik stand mehrmals die derzeitige Hausverwaltung Berghs und Partner, Mieter fühlten sich abgebügelt, sagten, sie hätten Betretungsverbote erhalten. Die Verwaltung wiederum wies die Beschwerden zurück. Die dii will sich nächste Woche mit Vertretern von Berghs und Partner treffen, um sich ein Bild zu machen. Manager Settelmayer sagt, es sei offen, ob man mit Berghs weitermache.