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Deutsche Eiche im Dauerstress

kre Barendorf. Die Eiche hat es nicht leicht in diesen Tagen: Erst fallen Heerscharen von Eichenprozessionsspinnern, Eichenwickler, Großer und Kleiner Frostspanner, Laubholzeulen und Schwammspinner über das Blattgrün des Symbolbaums Nummer Eins der Deutschen her. Jetzt macht der Eichenmehltau den Bäumen zu schaffen. „In diesem Jahr ist es ganz besonders schlimm“, stellen der Barendorfer Revierförster Oliver Christmann und sein Kollege Reiner Baumgart fest: „Viele Eichen sehen aus, als seien die Blätter mit einem weißlich-grauen Puder überzogen.“

Verursacher ist der Eichenmehltau (Microsphaera alphitoides), „ein auf Eichen spezialisierter Pilz“, weiß Forstexperte Baumgart. Der Pilz befällt vor allem die jungen Blätter des sogenannten Johannistriebs. „Er schädigt die Blätter und schränkt so die Photosynthese des Baumes ein“, erläutert Revierförster Oliver Christmann.

Bereits 2010 und 2012 beo-bachteten die Förster den Pilzbefall in ihren Eichenbeständen – doch in diesem Jahr sei der Befall besonders dramatisch. Baumgart glaubt auch zu wissen, woran das liegt: „Die klimatischen Bedingungen für den Eichenmehltau sind geradezu ideal“, stellt der Pressesprecher der Niedersächischen Landesforsten fest. Denn im Gegensatz zu manch anderen Pilzschädlingen liebt der Eichenmehltau trockenes und heißes Sommerwetter. Das Wetter also, das in den vergangenen Wochen vorherrschte.

„Die Sporenbildung wird durch intensive Sonneneinstrahlung und niedrige Luftfeuchtigkeit gefördert“, berichten Baumgart und Christmann. Die Folge: Der Pilz konnte sich in den vergangenen Tagen und Wochen geradezu explosionsartig vermehren und ist jetzt als weißer Belag auf den Eichenblättern deutlich zu sehen. „Bei starker Infektion rollen sich die Blätter ein, vertrocknen und fallen vorzeitig ab“, beobachtet Baumgart.

Betroffen sind seinen Worten zufolge nicht nur die Eichenwälder, sondern auch Alleebäume und Hofeichen.

„Deshalb werde ich auch immer wieder gefragt, ob es denn Sinn mache, das infizierte Laub am Fuße der Bäume zu beseitigen“, berichtet der Pressesprecher, um sogleich die Antwort zu geben: „Damit wird man den Pilz trotzdem nicht los, denn er überwintert nicht nur im abgefallenen Laub, sondern auch in den Knospenschuppen.“

„Vitalen Bäumen“, sagt Oliver Christmann, „macht dieser Pilzbefall wenig aus. Allerdings haben Witterungsextreme und der Kahlfraß durch Schmetterlingsraupen in den vergangenen Jahren die Vitalität vieler Eichen geschwächt“. Wenn jetzt noch der Eichenmehltau dazu kommt, können die betroffenen Bäume noch weniger Reservestoffe einlagern – sind somit ideales Angriffsziel für weitere Pilzarten und auch den Eichenprachtkäfer. „Die Folge ist, dass die Bäume absterben können“, sorgt sich Christmann.

Erstmals festgestellt wurde der Pilz im Jahr 1907. „Vermutlich wurde er aus Nordamerika eingeschleppt“, sagt Baumgart und Christmann ergänzt: „Vor allem die heimischen Eichen haben jetzt mit dem Pilz zu kämpfen.“ Roteichen dagegen – sie kommen ursprünglich aus Amerika – haben da weniger Probleme.