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Pedelecs auf dem Prüfstand

kre Lüneburg. Erich Silberborth ist keiner, der sich allein vom schicken Aussehen eines Elektrofahrrads beeindrucken lässt. Schließlich schaut der Mann schon von Berufs wegen genau hin. Silberborth ist als Mitarbeiter des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Lüneburg im Auftrag der Sicherheit unterwegs. Der Gewerbeoberinspektor überprüft direkt vor Ort bei den Händlern sogenannte Pedelecs 25 – also Fahrräder mit einem Elektromotor als Hilfsantrieb. Fünf Pedelecs 25 hatte der 63-Jährige bis gestern Morgen bei diversen Lüneburger Händlern bereits gecheckt – doch erst beim sechsten nickte er zufrieden: „Keine Beanstandungen.

Die Fahrräder mit den kleinen elektrischen Kraftpaketen erleben zurzeit einen regelrechten Boom. Allerdings sind längst nicht alle Pedelecs 25 in technisch einwandfreiem Zustand. Das hat jetzt das niedersächsische Sozial- und Gesundheitsministerium auf den Plan gerufen, das seit Herbst vergangenen Jahres durch die Gewerbeaufsichtsämter die Pedelecs überprüfen lässt.

„Mit zum Teil alarmierenden Ergebnissen“, mahnte Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Cornelia Rundt. „Technisch mangelhafte Pedelecs sind eine Gefahr für die Gesundheit und müssen aus dem Verkehr gezogen werden“, betonte sie jüngst in einer Pressemitteilung. Bestätigt fühlt sich die Ministerin auch durch die Stiftung Warentest, die zu ähnlichen Resultaten wie die Staatlichen Gewerbeaufsichtsämter gekommen sei. „Das Risiko fährt mit“, lautete im Juni das Urteil der Qualitätsprüfer.

Donnerstagmorgen in Lüneburg: Erich Silberborth betritt das Geschäft eines Lüneburger Fahrradhändlers. Der Gewerbeoberinspektor erläutert kurz, für welche Kontrollen seine Behörde zuständig ist: „Das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg ist neben Umwelt- und Arbeitsschutz- auch Verbraucherschutzbehörde. Im Rahmen der EU-weiten Marktüberwachung kontrollieren wir Hersteller, Händler und Importeure von verschiedenen Produkten“, sagt Silberborth. Ob elektrische Haushaltsgeräte, Kinderspielzeug oder Pedelecs – die Kontrolleure überprüfen immer wieder stichprobenartig die Sicherheit der Produkte.

Drei Elektrofahrräder verschiedener Hersteller lässt der Behördenmitarbeiter in diesem Lüneburger Geschäft vorführen. Auf die Beanstandungen bei den Kontrollen der Elektrofahrräder in den anderen Geschäften angesprochen, sagt er: „Das waren formale Mängel – nichts Gravierendes.“

Formale Mängel: Dazu zählt zum Beispiel, dass die deutschsprachige Bedienungsanleitung fehlt, die Firmenbezeichung oder die Adresse des Herstellers nicht vollständig sind oder die Konformitätserklärung nicht unterschrieben ist. „Dinge, die die Importeure dann nacharbeiten müssen.“

Silberborth und seine Behörde sind für die Kontrolle des Elektroantriebs, des Batterieblocks und des Ladegeräts zuständig. Kurz: „Für die sichere Beschaffenheit der Maschine“, fasst der 63-Jährige zusammen. Für die Überprüfung der Verkehrssicherheit der Pedelecs 25 ist eine andere Behörde verantwortlich – das Kraftfahrtbundesamt. Und dann gibt es noch die Bundesnetz-Agentur – zuständig für die Überprüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit. Im schlimmsten Fall könnten die Elektromotoren wie Störsender wirken und so den Funk von Polizei und Rettungskräften beeinträchtigen.

Bei dem Elektro-Fahrrad, das jetzt vor Silberborths gestrengen Augen bestehen muss, ist alles in Ordnung: Die Papiere sind vollständig, die CE-Kennzeichnung vorhanden und die Verarbeitung in Ordnung. Auch zur Sicherheit der Batterie und des Ladegeräts kann der Gewerbeoberinspektor nichts Negatives anmerken. Erklärungen, Symbole – alles so, wie es sein soll.

Längst gibt es schon für wenige Hundert Euro Elektrofahrräder zu kaufen. Doch von denen würde Silberborth die Finger lassen: „Für ein vernüftiges Pedelec muss man wenigstens 1500 Euro ausgeben“, rät er. Und nach oben sind ohnehin keine Grenzen gesetzt.