Mittwoch , 28. September 2016
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Gipfelsturm auf dem Fahrrad

sim Lüneburg. Die Alpen sind nach wie vor ein beliebtes Reiseziel, auch für Nordlichter. Ein Abstecher in die Berge — ob zum Wandern im Sommer oder zum Skifahren im Winter — ist deshalb nichts Ungewöhnliches. Ein Quartett aus Lüneburg aber hat sich jetzt gegen die klassischen Urlaubsvarianten entschieden, stattdessen meis“terten die Männer die Alpen allein mit der Kraft ihrer Muskeln. Sechs Tage lang strampelten Matthias Beer, Stefan Meyer, Kay Wesermann und André Schuler zusammen mit dem Wesenberger Volker Skwarek Berge rauf und wieder runter. Zurück in der Tiefebene erzählen sie von ihrer Tour, bei der jeder von ihnen 350 Kilometer zurückgelegt und 9500 Höhenmeter überwunden hat.

Ursprung dieser ungewöhnlichen Fahrradfahrt war ein Seminar bei der Volkshochschule: „Alpenüberquerung mit dem Mountainbike für Norddeutsche“ hieß es, geleitet von André Schuler. In Theorie- und Praxismodulen lernten die Teilnehmer, sich auf eine Alpen“überquerung vorzubereiten. Das Alpentraining der Heide-Radler vollzog sich über drei Level: Zum Start ging es zur Lüneburger Steinhöhe hinaus, danach in die Harburger Berge und — für Level 3 — in den Harz, wo eine 65 Kilometer lange Tour über 1700 Höhenmeter erster ernsthafter Härtetest war. Schuler ist in Sachen Berg-Bezwingung mit dem Rad bereits ein alter Hase. „Die vergangenen sechs Jahren habe ich, bis auf eine Ausnahme, jedes Jahr eine Tour mit dem Mountainbike durch die Alpen gemacht.“ Sonst immer mit dabei war sein guter Freund Cord Schlender. Diesmal musste der aber wegen Krankheit passen.

So kamen nur die anderen in Genuss der unvergleichlichen Panoramen, Belohnung für all die Anstrengungen bei den Anstiegen. Und sie hatten Glück mit dem Wetter — mit einer Aus-nahme: Am vierten Tag gab es ein heftiges Unwetter, das die Gruppe zur einer Touränderung zwang. Aber auch die Hitze hat den Alpenüberquerern zu schaffen gemacht: „Es war so warm, dass jeder von uns sieben bis acht Liter Wasser am Tag getrunken hat“, erzählt Schuler.

Immer mit dabei hatte Stefan Meyer seinen winzigen Salzstreuer. Der habe dazu gedient, das Trinkwasser mit Mineralstoffen anzureichern. „Wir haben uns dann alle immer ein wenig über Stefan und seinen Mini-Salzstreuer lustig gemacht“, sagt Kay Wesermann und grinst.

Wichtig bei einer derartigen Tortur ist neben Trinken natürlich auch das Essen. „Wir konnten gar nicht so viel essen, wie wir an Kalorien verbraucht haben“, beschreibt Wesermann die Anstrengungen der Fahrt. Jeder der Radler hatte einen „Schnorrbeutel“ dabei — beim Frühstück im Hotel hätten sie einen Apfel oder ein Brötchen stibitzt und in dem Beutel für später mitgenommen. „Damit man etwas Handfestes zu essen hatte“, erklärt Wesermann. Denn ansonsten hätten sich die Radamateure den ganzen Tag nur von süßen Müsliriegeln und Energy-Gels ernährt. „Spätestens nach drei Tagen hängt einem das zum Hals raus.“, findet Schuler.

Dabei war diese Tour nicht nur körperlich fordernd, sondern auch psychisch. Matthias Beer erzählt: „Drei Stunden am Stück eine steile Schotterpiste immer nur bergauf zu fahren, direkt nach dem Aufstehen, das ist enorm kräftezehrend. Da fragt man sich: Warum nur tue ich mir das eigentlich an?“ Aber am Ende waren sich alle einig: Diese Alpenüberquerung hat sich gelohnt. Und wenn es zeitlich passt, geht es nächstes Jahr wieder in die Alpen, zum Gipfelsturm auf dem Fahrrad.